30.01.2012, 07:30 Uhr
Den Osten Deutschlands hat sie schon im Griff, die sibirische Bibber-Kälte, die die Bundesrepublik mindestens zehn Tage lang in Schockstarre versetzen wird. Ab der zweiten Wochenhälfte ist dann das ganze Land dran: bis zu minus 15 Grad, und das womöglich zehn Tage lang, vielleicht auch länger.
"Gut möglich", unterbreitet Andreas Wagner von der Meteomedia Unwetterzentrale im Gespräch mit wetter.info sanft die Hiobsbotschaft, "dass ein sehr starkes und stabiles Hoch die ganze erste Februarhälfte sibirische Kaltluft direkt nach Deutschland pumpt." Bis zu minus 15 Grad am Tag und starke Windböen lassen die "gefühlte Temperatur" in einigen Regionen auf minus 25 Grad sinken. "Es wird wirklich bitterkalt." Zudem erwartet der Meteorologe starke Schneefälle und schwere Verwehungen im Bereich der Ostseeküsten.
Schon Montagfrüh wird es für einige eine weiße Überraschung im Berufsverkehr geben: Westlich vom Rhein fällt gebietsweise Schnee bis in tiefste Lagen, und die Temperaturen kommen auch in der bislang mildesten Ecke Deutschlands kaum über den Gefrierpunkt hinaus.
In der Osthälfte ist es bereits viel kälter: Dort lassen die ersten Ausläufer sibirischer Kaltluft auch tagsüber die Temperaturen auf unter minus fünf Grad sinken. Allerdings ist die Luft sehr trocken. Wolken sind demnach nicht dabei, und die Sonne scheint ungehindert stundenlang. "Das wird ein schöner, sonniger aber eisig kalter Wintertag", sagt Wagner.
Zwischen dem Osten und dem Westen liegt ein trockener, aber wechselnd bewölkter breiter Streifen - etwa von Schleswig-Holstein über Hessen bis nach Bayern. Auch in diesem Übergangsbereich herrscht Dauerfrost.
Am Dienstag breitet sich die trockene und kalte Luft immer weiter über Deutschland aus. Nur in der Südwesthälfte ist es noch zeitweise bewölkt, und in Baden-Württemberg fallen letzte weiße Flocken. Im großen Rest des Landes ist es sonnig und trocken.
Am Mittwoch heißt es dann: warm einpacken! Überall herrscht Dauerfrost - im Westen teils noch leichter, im Osten und Südosten dagegen schon mäßiger bis strenger Frost. Bis zu minus zehn Grad sind dort drin. In den Mittelgebirgen geht es runter auf bis zu minus 15 Grad, die sich in teils starken Windböen aus Osten viel kälter anfühlen.
In den Nächten herrschen ab der zweiten Wochenhälfte arktische Bedingungen: Minus sieben Grad sind das höchste der Gefühle am Rhein und an den Küsten. Minus zehn bis minus 15 Grad erwartet die Unwetterzentrale im Osten und Südosten und bis zu minus 25 Grad in einigen Mittelgebirgstälern und über Schneeflächen. "Das betrifft größere Regionen im Süden Deutschlands", warnt Wagner.
"Die neue Wetterlage ist eine Rarität", schwärmt Wagner. "Alles passt perfekt zusammen." Die Lage des Hochs im Norden und die eines Tiefs über dem Mittelmeer lenkt die Kaltluft direkt zu uns. "Der Schwerpunkt der Kältewelle trifft definitiv Deutschland".
Eine besondere Gefahr sieht Wagner im Nordosten aufziehen: "Die eiskalte Luft erreicht uns von Nordosten", so der Wetterexperte. Über der noch recht milden See saugt sie sich mit Feuchtigkeit voll, und bringt im Ostseeumfeld auf engstem Raum heftige Schneefälle."
Schuld ist ein seltenes meteorologisches Phänomen: Der sogenannte "Lake Effect" tritt auf, wenn im Winter kalte Winde über große Wasserflächen strömen. Da das Wasser wärmer als die Luft ist, entsteht Wasserdampf, der in großen Mengen zum Ufer getragen wird. Die eiskalten Luftströme lassen den Dampf jedoch schnell gefrieren: Es schneit.
Mit enormen Neuschneemengen muss man ab Mittwoch von Rügen bis vor Hamburg und Lübeck rechnen. Dort liegen dann die so genannten Schneeschauer-Straßen.
In dem starken Nordostwind drohen zudem Schneeverwehungen bis etwa 50 Kilometer ins Landesinnere. "Die genaue Entwicklung ist aber noch etwas unsicher", sagt Wagner. Doch bis Donnerstag drohen gefährlich große Schneemengen in diesem Gebiet. Im übrigen Deutschland droht jedoch kein Schneechaos.
Und wie lange hält die Kälte an? "Unsere wichtigsten Rechenmodelle sind sich einig: Gut zehn Tage hält die extreme Kälte an", sagt Wagner. Da das Kältehoch über Skandinavien aber sehr stark und wahrscheinlich langlebig ist, sind auch zwei Wochen und mehr denkbar. "Eine Eintagsfliege wird das jedenfalls nicht."
Quelle: bew , rf , wetter.info
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