18.02.2011, 11:47 Uhr | von Berrit Gräber, AP
Die Allergie-Welle rollt: Für Heuschnupfen-Geplagte hat schon jetzt die Leidenszeit begonnen (Foto: imago)
Kaum weht das erste laue Frühlingslüftchen, schon geht das Schniefen, Triefen, Augen- und Nasejucken wieder los. Die Luft ist voll mit den Pollen der Frühblüher. Das bedeutet Heuschnupfen-Alarm für viele der gut 20 Millionen Allergiker in Deutschland. Die Invasion der Quälgeister hat dieses Jahr wieder früh und intensiv begonnen.
Die zu den Birkengewächsen gehörenden Haseln haben ihre Hauptblütezeit normalerweise im Februar und März, noch bevor die Blätter austreiben, erläutert Heike Stahlhut vom Deutschen Grünen Kreuz. Doch diesen Winter ging es schon früher los wegen des ungewöhnlich warmen Januars. Niesanfälle, Husten, Schniefen, Jucken - je schöner das Wetter, desto schlimmer die Symptome.
Im März wird dann der Ansturm der Birkenpollen erwartet, abhängig vom Wetter. Ein Albtraum für ganz viele Menschen. "Sobald es mild wird, bricht es explosionsartig los", sagt Petra von der Lage, Sprecherin des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (ÄDA). Betroffene sollten frühzeitig zum Facharzt gehen, um sich lindernde Medikamente verschreiben zu lassen und gewappnet zu sein.
Heuschnupfen darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Bleibt die allergische Entzündung unbehandelt, kann sie chronisch werden. In 40 Prozent der Fälle dehnt sich die Problematik innerhalb von acht Jahren auf Bronchien und Lungengewebe aus. Die Folge: Asthma mit pfeifender Atmung und Luftnot.
Die Birke macht etwa 30 Prozent aller Allergie-Geplagten in Deutschland das Leben schwer, erklärt der ÄDA. Nur die Gräserpollen machen noch mehr zu schaffen. Sie bereiten mehr als der Hälfte aller Heuschnupfengeplagten Probleme. Ob Erle, Birke oder Weide: Nach dem Einatmen von Blütenstaub reagiert das Immunsystem der Kranken jeweils überempfindlich. Ein Abwehrkampf wird in Gang gesetzt. Die Folge: Die typischen Schwellungen, Schleimhautentzündungen, Rötungen.
Wer auf Baumpollen allergisch ist, muss beispielsweise nur zehn Pollenkörnern pro Kubikmeter Luft begegnen - schon reagiert der Körper. Abtauchen ist zwecklos. Eine Birke setzt schon im Normalfall pro Blütenstand mehr als fünf Millionen der winzigen Qualgäster frei.
Wer gegen Haselnusspollen allergisch ist, reagiert oft auch auf andere Frühblüher, vor allem auf Erlen- und Birkenpollen. Und damit ist es meist nicht getan: Diese Patienten sind während der Polleninvasion im Frühjahr auffallend häufig auch noch gegen Nahrungsmittel wie Äpfel allergisch. Oder gegen Birnen, Kiwi, Sellerie, rohe Karotten, Nüsse sowie frische Tomaten. Im Herbst, wenn der Spuk endlich vorbei ist, können die sogenannten Kreuzallergiker dann problemlos wieder Nüsse knabbern oder in Äpfel beißen.
Wer diesen Frühling erstmals unter Dauerschnupfen, juckender Nase, starkem Räuspern oder nächtlichem Husten leidet, sollte sich auf Heuschnupfen testen lassen - ganz gleich, ob Kinder oder Erwachsene, rät Petra von der Lage. Selbst Senioren im hohen Alter sind noch anfällig für Allergien. Schätzungen zufolge leiden mittlerweile 20 Prozent der Menschen zwischen 45 und 79 Jahren an Heuschnupfen.
Moderne, rezeptpflichtige Medikamente wie Antihistaminika und Cortison-Nasensprays bringen Linderung. "Sie können bedenkenlos in der Heuschnupfensaison genommen werden", betont von der Lage. Bei schlimmen Beschwerden hilft eine spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt. Bestenfalls wird die Allergie geheilt. "In 90 Prozent der Fälle klappt das", sagt die ÄDA-Sprecherin. Allerdings muss rechtzeitig vor der neuen Pollenflugsaison mit der Therapie begonnen werden.
Für eine Immuntherapie gegen Birkenpollen ist es jetzt schon zu spät. Die Zeit reicht nicht mehr aus, um noch wirksamen Schutz aufzubauen. Eine Hyposensibilisierung auf den letzten Drücker gegen Gräser und Roggen könnte dagegen jetzt noch angepackt werden, ermuntert die ÄDA-Sprecherin zum Handeln. Beide blühen erst ab dem Frühsommer.
Quelle: dapd
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