15.01.2011, 15:27 Uhr
Die Hochwasserlage hat sich am Samstag besonders in Bayern und Brandenburg zugespitzt. Regenfälle und Schneeschmelze ließen die Pegel zahlreicher Flüsse vielerorts weiter ansteigen. Vom Hochwasser betroffen waren vor allem Städte und Ortschaften an Main und Donau. Von Regensburg bis Vilshofen wurde die Meldestufe 4 erreicht. Auch der brandenburgische Fluss Schwarze Elster kam auf die höchste Alarmstufe 4.
In Rheinland-Pfalz und im Norden stiegen die Pegel der Flüsse ebenfalls, wenn auch weniger stark. In Baden-Württemberg und Hessen entspannte sich die Situation hingegen zunehmend.
Durch den anhaltenden Regen und das Tauwetter stiegen die Pegel der Flüsse in Nord- und Ostbayern vielerorts weiter an. An der Donau hatte der Scheitel der Hochwasserwelle Kelheim die Meldestufe 3 erreicht. Flussabwärts stiegen die Pegel weiter an.
Regensburg schrammte knapp an einer Flutkatastrophe vorbei. Die Hochwasserlage in der Stadt entwickelte sich am Morgen weniger dramatisch als erwartet. Pro Stunde stieg das Wasser nur noch um drei Zentimeter, an der Eisernen Brücke erreichte der Pegelstand die 6,14 Meter-Marke. Der Krisenstab der Stadt rechnete damit, dass der Scheitelpunkt der Flutwelle bei etwa 6,30 Meter liegen könnte. Damit würde der höchste Pegelstand unter dem der Flutkatastrophen von 1988 und 2002 bleiben. Die mobilen Schutzwände würden in dem Fall nicht überflutet werden.
In Passau ging der Pegelstand der Donau zurück, am Samstagmorgen lag er bei 8,40 Meter. Eine Sprecherin der Stadt sagte, es werde damit gerechnet, dass der Stand im Lauf des Samstags um weitere 20 Zentimeter zurückgehe. Für Sonntag werde zwar erneut mit einem Anstieg gerechnet, dieser solle aber moderater ausfallen als ursprünglich angenommen.
Auch am Main blieb die Hochwasserlage angespannt. Nach Angaben der Stadt rechnet Würzburg in der Nacht zum Montag mit der zweiten Welle, die wohl höher sein wird als die erste. Einem Stadtsprecher zufolge gehen die Vorhersagen anhand des Pegels in Trunstadt von bis zu 6,70 Meter aus. Das sei ein deutlich höherer Stand als beim letzten großen Hochwasser 2003.
Die Stadt Wertheim in Baden-Württemberg stellt sich auf das schlimmste Main-Hochwasser seit sieben Jahren ein. Nach Prognosen der Einsatzleitung könnte der Scheitelpunkt der Hochwasserwelle am Montag etwa sechs Meter erreichen und damit den bisherigen Höchstwert vom vergangenen Mittwoch überschreiten. Im Jahr 2003 erreichte der Pegel des Mains einen Stand von 6,08 Metern. Die erste Hochwasserwelle hatte Wertheim am Mittwoch mit einem Höchststand von 5,80 Meter erreicht. Nach einem kurzzeitigen Absinken war das Wasser am Freitag wieder angestiegen. Am Samstagmorgen betrug der Stand 5,52 Meter.
In Brandenburg verschärfte sich die Hochwasserlage besonders an der Schwarzen Elster. Am Vormittag erreichte der Fluss Richtwerte für die höchste Alarmstufe 4, teilte ein Sprecher des Landkreises Elbe-Elster mit. Am frühen Nachmittag sollte entschieden werden, ob die Alarmstufe ausgerufen und damit die Katastrophenabwehr in Gang gesetzt wird.
An der Elbe blieb die Lage ebenfalls kritisch. Am Morgen galt in Sachsen für die Pegel in Riesa, Dresden und Schöna die zweithöchste Hochwasseralarmstufe 3. In Schöna wurden 6,57 Meter gemessen. In Dömitz in Westmecklenburg hatte die Elbe die Fünf-Meter-Marke überschritten. Am Samstagmorgen wurden 5,20 Meter gemessen, wie NDR 1 Radio MV berichtete. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt löste die Alarmstufe 1 aus.
Um Magdeburg vor dem Hochwasser der Elbe zu schützen, wurde das Pretziener Wehr geöffnet. Dadurch strömt ein Drittel des Wassers in einen Kanal. In Thüringen waren einige Straßen unpassierbar.
Am Rhein steigen derweil die Pegel weiter. In Koblenz soll das Rhein-Hochwasser am Sonntag fast die Höhe der ersten Flutwelle vom Wochenbeginn erreichen. Das Hochwassermeldezentrum in Mainz erwartet einen Höchststand von bis zu 7,50 Metern. Experten hatten zuvor noch etwa 15 Zentimeter weniger vorhergesagt. Am Montag war der Pegelstand bis auf 7,52 Meter gestiegen. 5000 Einwohner waren in der Rhein-Mosel-Stadt vom Hochwasser betroffen. Am Samstagvormittag lag der Wasserstand bei 7,15 Meter - das Deutsche Eck war bereits teilweise überspült. Einige Straßen in Ufernähe standen unter Wasser, Keller liefen voll.
In Köln erreichte der Wasserstand des Rheins am Morgen eine Höhe von 8,62 Metern, teilte die dortige Hochwasserschutzzentrale mit. Allerdings stieg er mit rund 1,5 Zentimetern pro Stunde nur noch halb so schnell wie am Vortag. Die Kölner Altstadt sei aber bis zu einem Pegel von 11,30 Metern sicher.
Für den Rhein in Rheinland-Pfalz werden am Wochenende steigende Pegel erwartet. Beispielsweise werde für Speyer damit gerechnet, dass der derzeitige Pegel von 6,40 Meter noch etwas steigen werde, sagte eine Sprecherin des Hochwassermeldezentrums in Mainz.
In der niedersächsischen Stadt Hannoversch Münden bereiteten sich die Bürger auf eine zweite Weser-Hochwasserwelle vor. "Wir rechnen mit der Spitze des Hochwassers von Samstagabend bis Sonntagfrüh", sagte Bürgermeister Klaus Burhenne. Am Vormittag betrug der Weserpegel 5,40 Meter. Burhenne rechnete mit einem Wert in Richtung sechs Meter. Noch am Freitag war die Stadtverwaltung für das Wochenende mit einem Stand des Weserpegels von bis zu 6,50 Metern und weiteren Überschwemmungen ausgegangen. In der Stadt sind mehrere Straßen in der Altstadt und in den Ortsteilen überschwemmt und gesperrt. Einwohner und Helfer des Technischen Hilfswerks verstärkten die Sandsackbarrieren.
Unterdessen hat sich die Hochwasserlage in Baden-Württemberg weiter entspannt. Die Hochwasser-Vorhersage-Zentrale meldete am Vormittag fallende Wasserstände an nahezu allen betroffenen Flussgebieten mit der Ausnahme von Wertheim.
Auch in Nordhessen ging das Wasser langsam zurück. Am Oberlauf der Fulda seien durchweg fallende Pegelstände verzeichnet worden, sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel.
Quelle: dpa , dapd
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