06.02.2012, 16:40 Uhr
Europa zittert weiter unter der sibirischen Kälte, die vor allem in den osteuropäischen Ländern viele Todesopfer fordert. Insgesamt starben rund 300 Menschen in der Kälte. In der Ukraine sind am Wochenende erneut mindestens 30 Menschen erfroren. Aber auch im Süden Europas ist es ungewöhnlich kalt. Schneefall in Italien führte zu einem tödlichen Unglück. In Deutschland gab es bislang neun Kältetote.
Die Zahl der Toten stieg dramatisch an, besonders in der Ukraine und in Polen, den beiden am stärksten betroffenen Ländern. Die ukrainischen Behörden verzeichneten seit dem 27. Januar 135 Tote. Darunter waren mehr als 30 Menschen, die bei sich zuhause erfroren. Etwa 2000 Menschen wurden wegen Erfrierungen im Krankenhaus behandelt. Landesweit wurden 3170 Rettungsposten eingerichtet, wo Bedürftige sich aufwärmen und etwas Warmes essen können. Die Temperaturen, die tagsüber bei minus 21 Grad und nachts bei minus 30 Grad lagen, stiegen in Kiew am Samstagmorgen auf zehn Grad unter Null. Ab Mitte der Woche rechnet der staatliche Wetterdienst wieder mit Werten zwischen 28 und 32 Grad unter Null.
Am Elbstrand der Hansestadt türmen sich mittlerweile Berge aus Eis und Schnee. zum Video
In Polen erhöhte sich die Zahl der Toten auf 62. Bei den Opfern handelt es sich überwiegend um Obdachlose, die häufig alkoholisiert waren. Die Obdachlosenheime beschlossen deswegen, ausnahmsweise auch Betrunkene aufzunehmen. Ein Feuerwehrsprecher erklärte, weitere 15 Menschen seien bei Bränden ums Leben gekommen, die durch Heizgeräte verursacht worden seien.
In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo wurde eine Schneehöhe von einem Meter gemessen, auf den umliegenden Bergen waren es zwei Meter. In Sarajevo stellten die öffentlichen Verkehrsmittel ihren Betrieb ein. Nur die Hauptstraße und einige Straßen im Zentrum waren passierbar. Der kroatische Präsident Ivo Josipovic und sein serbischer Kollege Boris Tadic, die an einer Konferenz in einem Hotel im bosnischen Jahorina teilgenommen hatten, saßen dort vorübergehend fest.
In Serbien stieg die Zahl der Kältetoten auf zehn. Nach tagelangen schweren Schneefällen hatte die Regierung am Sonntag im ganzen Land die "Ausnahmesituation" ausgerufen. Diese sei nicht mit einem Ausnahmezustand zu verwechseln, betonte Innenminister Ivica Dacic. Es solle aber dadurch gewährleistet werden, dass alle verfügbaren Mittel zur Linderung des Schneechaos eingesetzt werden. Die Regierung in Belgrad rief die Bürger zur Hilfe beim Schneeräumen auf. 70.000 Menschen waren durch die Schneemassen von der Umwelt abgeschnitten. Nach Angaben der Meteorologen wird es noch zwei weitere Tage schneien.
In Rumänien stieg die Zahl der Toten auf 34. In Bulgarien tötete die Kältewelle mindestens 16 Menschen, größtenteils Dorfbewohner, die am Straßenrand oder in ihren ungeheizten Wohnungen starben.
In anderen europäischen Ländern wurden weitere Tote registriert: 18 in Tschechien ,15 in Litauen, zehn in Lettland, fünf in Frankreich, vier in Österreich, jeweils zwei in Kroatien und Griechenland, sowie jeweils einer in der Slowakei, in Montenegro und in Mazedonien.
In Avellino bei Neapel kam eine Frau ums Leben, als ein Treibhaus unter dem Gewicht von Schneemassen zusammenbrach. Insgesamt stieg die Zahl der Kältetoten in Italien auf zehn. In Rom, wo am Sonntag die Sonne zurückkehrte, herrschte nach den stärksten Schneefällen seit 27 Jahren Chaos. 400 Soldaten und Carabinieri halfen den Bewohnern beim Schneeräumen.
Zahlreiche Italiener tätigten Hamsterkäufe. Hunderte Passagiere saßen den zweiten Tag in Folge stundenlang in Zügen fest und drohten mit einer Sammelklage gegen die Bahnbetreiber.
Die Kältewelle drang selbst bis Nordafrika vor. In höheren Lagen der algerischen Hauptstadt Algier fiel seit Jahren erstmals wieder richtig Schnee. Zahlreiche Kinder, die noch nie weiße Flocken gesehen hatten, stürzten sich nach Augenzeugenberichten begeistert nach draußen. Der Wintereinbruch sorgte aber nicht nur für Freude. 16 Menschen starben in Algerien, davon die meisten bei Verkehrsunfällen auf verschneiten Straßen. Fünf Tote gab es dem Zivilschutz zufolge als Folge von Erstickungen in Wohnungen mit Gasheizung.
In Großbritannien reichten rund zehn Zentimeter Schnee aus, um ein Verkehrschaos auszulösen. Europas größter Flughafen London-Heathrow strich rund 380 Flüge und damit ein Drittel aller Starts und Landungen für Sonntag. In Frankreich wurde auf dem Flughafen von Toulouse der Verkehr wegen starken Schneefalls zeitweise eingestellt. Busse blieben in den Depots. Aus Belgien und der Schweiz wurden Störungen im Bahnverkehr gemeldet.
In Deutschland sind bislang neun Menschen wegen der Kälte gestorben. Eine Dresdner Rentnerin starb bei eisigen Temperaturen auf ihrem Balkon. Die genauen Todesumstände seien noch unklar, sagte eine Polizeisprecherin. Die 69-Jährige sei Montagmorgen tot auf dem Balkon gefunden worden, nachdem Angehörige erfolglos versuchten sie zu erreichen.
Am Samstag war ein Eisangler einen gefrorenen See in Brandenburg eingebrochen. Zuvor starb bereits eine Frau beim Eisbaden, zwei Männer brachen beim Schlittschuhlaufen auf nicht freigegebenen Seen ein. Eine Frau stürzte in einen Wassergraben und erfror; ein Mann wurde tot auf einem Feldweg neben seinem Rollator gefunden. Ein Obdachloser starb, weil er auf einer Bank übernachtete. Ein weiterer Mann war betrunken vom Rad gestürzt und erfroren.
Quelle: AFP , wetter.info , dpa , dapd
Sundancer 30 schrieb:
am 6. Februar 2012 um 19:37:01
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300 Kältetote
Schlimm das es sowas noch immer gibt. Wir sollten mal nachdenken wie wir diesen armen Menschen helfen können und nicht so
egoistisch ein bloß weil wir in der warmen Wohnung sitzen. Ich bin traurig wenn idch so was lese wir leben doch nicht in Russland wo es dort viel mehr solxche menschen gibt. Es wird noch schlimmer werden mit dem Wetter wer weiß ob nicht doch die Welt dieses Jahr untergeht.
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Werni schrieb:
am 6. Februar 2012 um 18:55:59
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Wie Geistreich
ist die Erkenntnis, daß es hauptsächlich Arme und Obdachlose trifft.
Daß ein Ackermann oder Maschmeier nicht unter den Opfern ist, ist wohl klar.
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Dickebacke schrieb:
am 6. Februar 2012 um 18:10:43
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@Christian Bauer
Die Kühle, die die Menschen in den so genannten reichen Ländern ausstrahlen ist gravierender als die z.Zt. herrschende
Kälte. Kohle könnte heiß machen, wenn sie gerecht verteilt und für jeden greifbar wäre. Kohle besitzen aber nur wenige - und die heizen nicht damit, vor allem nicht Unterkünfte der Armen. Die Wenigen schaffen ihre Kohlen in die Schweiz. Dort heizen sie Bankenkeller.
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