05.08.2010, 11:01 Uhr
Während des Monsuns können innerhalb kürzester Zeit enorme Regenmengen fallen (Foto: dpa)
Mehr als 1000 Tote, zehntausende Menschen sind noch von Wassermassen eingeschlossen: In Pakistan haben extreme Regenfälle Flüsse über die Ufer treten lassen. Ursache für die Katastrophe ist ein Wetterphänomen, das für die Region eigentlich sehr wichtig ist: der Monsun. "Die ganze Landwirtschaft in Indien und Pakistan hängt vom Monsun ab", erklärte Thomas Sävert von der Meteomedia Unwetterzentrale gegenüber wetter.info. An den Hängen der Gebirge führt der halbjährlich auftretende Regen aber regelmäßig zu Überschwemmungen.
Der Begriff "Monsun" leitet sich vom arabischen Wort für "Jahreszeit" ab. Meteorologen bezeichnen damit ein mit der Jahreszeit wechselndes Windsystem. Genauer: Vom Monsun spricht die Wissenschaft immer dann, wenn die die Windrichtung in einem bestimmten Gebiet über verschiedene Jahreszeiten um mindestens 120 Grad abweicht.
Vom Monsun beeinflusst ist vor allem die Region rund um den Indischen Ozean. Dazu gehören vor allem Indien und Pakistan, aber auch Indonesien und Teile Chinas. Hier dreht sich die Windrichtung im Sommer sogar um 180 Grad. Im Winter pustet der Wind von Nordosten her und bringt sehr trockene Luft vom Land. In den Sommermonaten dreht der Wind dann aber auf Südwest und führt feuchte, warme Luft aus Meeresregionen mit sich.
Verantwortlich für diese 180-Grad-Drehung ist die so genannte innertropische Konvergenzzone. So bezeichnen Meteorologen eine Zone rund um den Äquator, in der sich vermehrt Schauer und Gewitter entwickeln. "In dieser Zone strömt Luft aus mehreren Hochdruckgebieten im Norden und Süden zusammen", erklärte Sävert. Diese Zone bleibt allerdings nicht fest an einem Platz - sie wandert mit den Jahreszeiten. Zusammen mit der Verlagerung des Sonnenhöchststandes verlagert sich auch die Konvergenzzone. Im Winter liegt sie südlich von Indien: Der Wind strömt dann von Nordost über das Land. Im Sommer verschiebt sich die Zone dann aber so, dass sie nördlich des Subkontinents liegt. Da die Winde immer von Hochdruckgebieten in Richtung Tiefdruckgebiet wehen, dreht sich nun auch die Windrichtung.
Wann genau der Monsun kommt, ist gar nicht so genau vorherzusagen. Manchmal beginnen die enormen Regenfälle schon Anfang Mai, manchmal aber auch erst im Juni. Wann immer aber der Regen kommt: der Kontrast zur Trockenzeit ist extrem. In Bombay fällt zum Beispiel im Januar und Februar nur durchschnittlich ein Liter Regen pro Quadratmeter. Im Juni öffnet der Himmel dann aber alle Schleusen: Dann kommen rund 580 Liter pro Quadratmeter herunter, im Juli sind es sogar über 700.
Den Monsun darf man sich allerdings nicht als Dauerregen vorstellen. "Auch während der Monsunzeit gibt es immer auch trockene Abschnitte", erklärte Sävert. Der Regen fällt in Form heftiger Schauer, in extrem kurzer Zeit kommen riesige Wassermassen herunter.
Besonders stark ist der Regen an den Rändern der Gebirge. "Überschwemmungen wie zurzeit in Pakistan können da im Prinzip jedes Jahr passieren", sagte der Meteorologe. Der Starkregen wird dort wahrscheinlich noch die ganze Woche anhalten, erst Anfang nächster Woche zieht dann wahrscheinlich wieder trockenere Luft in die Region.
Quelle: wetter.info, mj
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