16.12.2011, 19:28 Uhr
Umgekippte Bäume, überflutete Straßen und Schnee-Chaos: Sturmtief "Joachim" hat auf seinem Weg durch Deutschland Chaos auf den Straßen verbreitet. Vor allem im Süden ließ "Joachim" mit Orkanstärke 12, Schneefall und Starkregen die Muskeln spielen. Bei Neuschnee und glatten Straßen waren die Staus im Sauer- und Siegerland bis zu 20 Kilometer lang, auch in Thüringen häuften sich nach heftigen Schneefällen Verkehrsprobleme.
Im oberpfälzischen Pechbrunn starb ein 57-Jähriger beim Schneeräumen auf dem Gehweg seines Anwesens, wie die Polizei mitteilte. Mehrere Menschen wurden schwer verletzt. Bei Neustadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz wurde der Wagen eines 38-Jährigen erfasst und überschlug sich. Im Hunsrück standen Straßen unter Wasser, in der Südwestpfalz wurde der Bahnverkehr wegen umgestürzter Bäume zeitweise gestoppt. In Frankfurt am Main bremste "Joachim" den Flugverkehr, an anderen Airports fielen Flüge aus. Auf der A72 bei Hartenstein mussten Hilfskräfte einen umgestürzten Lkw bergen.
Auf dem Feldberg im Schwarzwald erreichten die Orkanböen eine Geschwindigkeit von bis zu 156 Kilometern pro Stunde. "Selbst im Flachland wurden Böen mit Geschwindigkeiten über 100 Kilometern pro Stunde gemessen", sagte Lars Dahlstrom von der Meteomedia Unwetterzentrale im Gespräch mit wetter.info.
Der Sturm entwurzelte Bäume in Baden-Württemberg. Bei Dauchingen entgleiste ein Nahverkehrszug, weil er auf einen umgestürzten Baum fuhr. Verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand.
In Südthüringen kam es auf den winterlich weißen Straßen zu vielen Unfällen. In Mönchsberg rutschte ein mit 15 Kindern besetzter Schulbus auf dem Weg zur Schule gegen eine Mauer. Kinder und Fahrer blieben unverletzt. Im Laufe des Tages entspannte sich die Lage wieder, wie ein Polizeisprecher sagte. "Die Straßen sind wieder schwarz."
Für Rhein und Mosel gab es - nur wenige Wochen nach der November-Dürre - eine Hochwasserwarnung der rheinland-pfälzischen Behörden. Am Freitag standen in Rheinland-Pfalz wegen Starkregens zahlreiche Straßen unter Wasser. "Die Bäche neben den Straßen laufen einfach über", sagte ein Polizeisprecher. In der Südwestpfalz war nach dem Ausfall der Regionalzüge auch kein Notverkehr mit Bussen möglich, weil umgestürzte Bäume Straßen blockierten. Die Behörden rieten zudem von Waldspaziergängen ab.
In Neustadt/Weinstraße drehte eine Windböe einen Geländewagen aufs Dach - die vier Insassen wurden nach Polizeiangaben schwer verletzt. Die Autobahn 61 war am Vormittag nahe Alzey zeitweise voll gesperrt, da mehrere Anhänger umgeweht worden waren. Ein Lastwagen drohte gar von der Brücke zu fallen, wie die Polizei mitteilte.
In Saarbrücken wurden Bäume entwurzelt und Straßen sowie Keller überflutet. Baustellenschilder und Verkehrszeichen wurden umgeworfen, eine Ampel wurde beschädigt. Zeitweise wurde auch hier der Bahnverkehr teilweise eingestellt. In Friedrichshafen am Bodensee und im sächsischen Chemnitz wurden die Weihnachtsmärkte wegen des Sturms geschlossen.
Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt gab es einzelne Verspätungen, aber keine Ausfälle. In Berlin fiel bei starkem Wind der erste Schnee. Unterdessen erreichte die Schlechtwetterfront Tschechien und machte manche Straßen unpassierbar. Die Autobahn D 8 in Richtung Dresden war am Freitag zeitweise blockiert, weil der Verkehr im Erzgebirge im Schneetreiben steckenblieb, meldete das tschechische Fernsehen.
Bei einem Ausläufer des Sturmtiefs kam im Südosten Spaniens ein Rentner ums Leben. Der 70-Jährige wurde nach Angaben der Behörden in Almansa beim Einsturz des Dachs seines Wohnhauses von Trümmern erschlagen. Im Baskenland wurden neun Menschen unter anderem von herabstürzenden Teilen verletzt.
In der Schweiz entgleiste durch den Sturm ein Zug. Bei dem Unfall im Nordwesten des Landes wurden nach Angaben der Polizei drei Menschen leicht verletzt, darunter der Lokführer. Der Zug kam demnach in einem Wald zwischen den Gemeinden Tavannes und Tramelan von den Gleisen ab. Über die Region waren nach Angaben der Schweizer Wetterbehörde Meteosuisse in der Nacht heftige Winde mit Spitzengeschwindigkeiten von 120 Stundenkilometern hinweggefegt.
In Frankreich tobte sich "Joachim" bereits in der Nacht aus. In dem Sturm strandete vor der Südküste der französischen Bretagne der unter Malta-Flagge fahrende 109 Meter lange Frachter "TK Bremen". Die Behörden lösten Umweltalarm aus, da Öl auslief.
In Westfrankreich fiel nach Regierungsangaben in rund 400.000 Haushalten der Strom aus, davon 100.000 in der Bretagne. In Straßburg blieb der Weihnachtsmarkt am Freitag geschlossen - auf Anordnung der Stadtverwaltung. Die bis zu 110 Kilometer starken Windböen könnten für Menschen gefährlich werden, sagte ein Sprecher. Um den 30 Meter hohen Weihnachtsbaum im Zentrum wurde eine Absperrung errichtet.
Auch in Großbritannien kehrte am Freitag der Winter ein, einige Flüge fielen aus. Im schottischen Glasgow wurden sechs Zentimeter Schnee gemessen, in Nordirland vier Zentimeter. Auch im Südosten der Region um London schneite es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.
Wenn das Tief vorbeigezogen ist, enden zunächst auch die fast frühlingshaften Temperaturen: Dann strömt deutlich kältere Luft nach Deutschland. Das Wochenende bringt Regen und Schnee - zum Teil bis ins Flachland. Anfangs fällt oberhalb von 500 bis 700 Meter teils kräftig Schnee. An den Alpen liegt die Schneefallgrenze zunächst bei 900 bis 1200 Meter. Wenn das Tief vorbeizieht, steigt sie vorübergehend bis in die Gipfellagen der Mittelgebirge. Nach dem Tief sinkt die Schneefallgrenze von Norden her zum Nachmittag und Abend rasch auf unter 500 Meter, und es folgen einige kräftige Schauer, teils mit Graupel, lokal auch Gewitter.
Von Nordrhein-Westfalen über Niedersachsen bis nach Brandenburg und Mecklenburg kann es auf der Rückseite des Tiefs zum Abend in den kräftigsten Niederschlägen auch bis in tiefe Lagen schneien. Im höheren Bergland kommt es auch zu starken Schneeverwehungen. An einigen Zuflüssen im Westen des Landes besteht die Gefahr von Hochwasser. "Autofahrer sollten mit verschneiten und rutschigen Straßen rechnen", warnte Dahlstrom.
Quelle: wetter.info, rf, tbo, UWZ, AFP, dpa, dapd
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