16.12.2011, 11:41 Uhr
Orkantief "Joachim" tobt schon gewaltig an der französischen Küste; in Deutschland geht's am Vormittag los (Quelle: AP, UWZ)
Ab heute Vormittag fegt Orkantief "Joachim" mit seinen stärksten Sturmböen übers Land. Es drohen schwere Böen, im Süden sogar orkanartige, die auch das Flachland treffen können. "Bei diesen Windgeschwindigkeiten muss man mit großflächigen Schäden rechnen", sagte Lars Dahlstrom von der Meteomedia Unwetterzentrale im Gespräch mit wetter.info.
Im Südwesten Deutschlands weht es schon jetzt kräftig. Im Schwarzwald gibt es Geschwindigkeiten von 130 Kilometern pro Stunde, in Baden-Württemberg auf Anhöhen sogar 150 km/h. Im Saarland erreichen die Böen knapp 100 km/h. Bis zum Nachmittag nehmen die Windstärken weiter zu. Am stärksten betroffen ist Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Gegen Abend wird es aber vor allem in Bayern und am Alpenrand orkanartige Böen geben.
An der französischen Küste hatte es in der Nacht bereits Orkanböen der Windstärke zwölf gegeben; in der Bretagne waren deshalb bereits 30.000 Haushalte ohne Strom. In der Schweiz ist durch den Sturm am Freitagmorgen ein Zug entgleist. Drei Menschen wurden nach Angaben der Polizei verletzt.
"Ab 100 Kilometern pro Stunde wird es kritisch", sagte Dahlstrom. Dann seien es nicht mehr nur einzelne Bäume, die stürzen, sondern ganze Flächen, die in Gefahr geraten. "Bei Windgeschwindigkeiten von 120 muss man allgemein mit sehr großen Schäden rechnen." Auch in den Städten wird der Sturm eine ernste Sache: Dachziegel und lose Gegenstände fliegen wie Geschosse durch die Luft.
Wenn das Tief vorbeigezogen ist, enden zunächst auch die fast frühlingshaften Temperaturen: Dann strömt deutlich kältere Luft nach Deutschland. Das Wochenende bringt Regen und Schnee - zum Teil bis ins Flachland. Anfangs fällt oberhalb von 500 bis 700 Meter teils kräftig Schnee. An den Alpen liegt die Schneefallgrenze zunächst bei 900 bis 1200 Meter. Wenn das Tief vorbeizieht, steigt sie vorübergehend bis in die Gipfellagen der Mittelgebirge. Hinter dem Tief sinkt die Schneefallgrenze von Norden her zum Nachmittag und Abend rasch auf unter 500 Meter und es folgen einige kräftige Schauer, teils mit Graupel, lokal auch Gewitter.
Von Nordrhein-Westfalen über Niedersachsen bis nach Brandenburg und Mecklenburg kann es auf der Rückseite des Tiefs zum Abend in den kräftigsten Niederschlägen auch bis in tiefe Lagen schneien. Im höheren Bergland kommt es auch zu starken Schneeverwehungen. An einigen Zuflüssen im Westen des Landes besteht die Gefahr von Hochwasser.
"Einen so schweren Sturm haben wir wirklich sehr selten in Deutschland", warnte Dahlstrom. "Da besteht schon die Gefahr für Leib und Gesundheit." Dieses Orkantief hat das Potential, eines der ganz großen der letzten 20 Jahre zu werden, so der Meteorologe.
Die Unwetterzentrale beobachtet das Orkantief Tag und Nacht und aktualisiert laufend ihre Warnungen.
Quelle: wetter.info, rf, tbo, UWZ
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