05.01.2012, 20:12 Uhr | hs, rf, tbo
Vor Sturmtief "Andrea" sind viele Bäume in die Knie gegangen, wie auf diesem Bild aus Freiburg (Quelle: dpa)
Orkantief "Andrea" bestimmt noch immer das Wetter über Deutschland. Die Kaltfront, die am Morgen von der Nordhälfte über die Mitte Deutschlands zog und für heftige Unwetter sorgte, tobte auch im Süden des Landes. "Die Front prallt gegen die Alpen", sagte Lars Dahlstrom von der Unwetterzentrale im Gespräch mit wetter.info. In Bayern hat das Sturmtief ein Todesopfer gefordert. Ansonsten fiel "Andrea" milder aus als von Meteorologen befürchtet. Trotzdem muss bis in die frühen Morgenstunden bundesweit mit Schauern und Gewittern gerechnet werden, bei denen orkanartige Böen auftreten können.
Am Nachmittag erreichte die Kaltfront den Süden Deutschlands. Der Zusammenstoß mit den Alpen bringt reichlich Schnee mit sich: "Im Laufe des Abends sinkt die Schneefallgrenze von 1000 auf 700 Meter", sagte Dahlstrom.
"Andrea" schickt schwere Sturmböen, teils auch orkanartige Böen durch Deutschland. Verbreitet sind Windgeschwindigkeiten von 90 bis 110 Kilometern pro Stunde möglich - selbst in tieferen Lagen. "In den Bergen ab 500 bis 700 Höhenmetern und an der Nordsee gibt es sogar die volle Orkanstärke mit 120 bis 140 Kilometern pro Stunde", sagte Unwetterexperte Fabian Ruhnau von Meteomedia. Das gilt vor allem auch für die Mittelgebirge.
Auf den höchsten Gipfeln sind Böen mit über 150 Kilometern pro Stunde möglich. "Damit könnte sich 'Andrea' zu einem der heftigsten Stürmen dieser Sturmsaison entwickeln", sagte Ruhnau. Bereits Sturmtief "Joachim" sei stark gewesen, allerdings nur im Süden Deutschlands. "Diesmal erwischt es weite Teile Deutschlands."
Auf dem Feldberg wurden am Nachmittag sogar 170 Kilometer pro Stunde gemessen, berichtete Dahlstrom.
Nach Durchzug der Front ist es nach einer kurzen Wetterberuhigung von der Nordsee über Niedersachsen bis nach Sachsen-Anhalt und Sachsen wieder gefährlich geworden. In der nachfolgenden labilen Höhenkaltluft warnen die Meteorologen vor neuen Gewittern, Schauern und schweren Sturmböen. Meteorologe Dahlstrom erklärt: "Wir haben weiterhin in der Höhe viel Wind." Durch den großen Temperaturunterschied zum Boden (in der Höhe ist die Luft kälter) "mischt sich die Luft herunter", die Atmosphäre "labilisiert" sich. Deshalb warnt die Unwetterzentrale noch bis in die Morgenstunden vor teils starken Unwettern.
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie warnte indes erneut vor einer Sturmflut. Wie die Behörde auf ihrer Internetseite mitteilte, ist das Nachthochwasser an der gesamten Nordseeküste 1,50 bis 2,00 Meter über dem mittleren Hochwasser zu erwarten. Ab der Marke von 1,50 Meter wird von einer Sturmflut gesprochen und es tritt die Unterelbe zwischen der Mündung bei Cuxhaven und Hamburg vielfach über die Ufer. Das Mittagshochwasser war im Bereich des Hamburger Fischmarktes über die Ufer getreten, jedoch ohne Schäden zu verursachen.
Doch nicht nur die raue See birgt Gefahren: Vor allem Wälder sollten gemieden werden. "Das gilt auch für die Autofahrer. Gerade Landstraßen sind mit den Bäumen rechts und links der Straße sehr gefährlich", warnte Ruhnau. Denn die Hauptgefahr bei diesem Sturm seien umstürzende Bäume: "Die Regenfälle der letzten Wochen haben die Böden aufgeweicht. Die Bäume entwurzeln bei so einem Sturm wesentlich schneller", so Ruhnau weiter. Daher sollte man sein Auto möglichst auch nicht unter Bäumen parken. Bleibt man daheim, so gilt es vor allem, alles "niet- und nagelfest" zu machen.
Das Unwetter verursachte einen tödlichen Unfall: Ein Auto geriet bei Weißenstadt in Oberfranken auf die Gegenfahrbahn und kollidierte mit einem entgegenkommenden Fahrzeug. Dabei wurde eine Frau getötet, teilte die Polizei mit. Der Fahrer des von der Spur abgekommenen Wagens wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.
In Belgien ist ein Mann ums Leben gekommen. Er wurde von einer etwa fünf Meter hohen Tür erschlagen, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Bei den Unwettern gab es zudem mehrere Verletzte.
Im Ort Wald im Allgäu stand am Abend nach einem Gewitter ein Kirchturm in Brand - der etwa 60 Meter hohe Turm drohte einzustürzen.
In Nordrhein-Westfalen musste die Polizei zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens zu über 150 witterungsbedingten Einsätzen ausrücken. Zwei Menschen wurden bei Verkehrsunfällen verletzt.
Auch in Hessen sorgten starke Windböen sowie Regen und Schnee für mehrere Unfälle. Im osthessischen Vogelsbergkreis wurde ein Gefahrenguttransporter von einer Windböe erfasst und in einen Graben gedrückt. Die Straße blieb wegen der Bergungsarbeiten fünf Stunden gesperrt. Ebenfalls in der Region prallte ein Autofahrer gegen einen umgestürzten Baum; er blieb aber unverletzt.
Im Münsterland ist ein Regionalzug gegen einen vom Sturm entwurzelten Baum gefahren und entgleist. Vier Fahrgäste und der Lokführer kamen mit dem Schrecken davon, teilte die Polizei mit. Der Zug sei in der Dämmerung am Donnerstagmorgen bei Reken gegen den Baum geprallt. Die Bahn war mit etwa 70 Kilometern pro Stunde unterwegs. Das Gleisbett wurde stark beschädigt, die Strecke ist vorerst gesperrt. Der Schaden liegt bei 100.000 Euro.
Durch Schneefall und Aquaplaning kam es in Nordhessen auf den Autobahnen 7, 44, 45 und 49 zu mehreren Unfällen, teilte das Polizeipräsidium in Kassel mit. Teilweise mussten Fahrbahnen gesperrt werden. Eine Landstraße bei Bad Emstal-Sand sollte wegen mehrerer umgestürzter Bäume mindestens bis Mittag komplett gesperrt bleiben.
Auf der Autobahn 45 bei Langgöns in Hessen hat sich während des Sturms zwischen Südkreuz Gießen und Gambacher Kreuz ein spektakulärer Unfall ereignet. Eine kräftige Windböe fuhr unter eine Containerdachabdeckung eines Lastwagens und riss das mehrere hundert Kilogramm schwere Teil fast senkrecht nach oben, als das Fahrzeug gerade eine elektronische Schilderbrücke unterquerte, berichtete die Polizei. Das Dach blieb dort hängen und stürzte auf einen nachfolgenden Sattelzug.
Beide Lkw-Fahrer blieben unverletzt. Der Schaden liegt wohl über 100.000 Euro. Die A 45 wurde bis in den Nachmittag hinein für die Bergungsarbeiten gesperrt.
Die Stadt Frankfurt hat wegen des Sturms vorsorglich fast alle für Donnerstag vorgesehenen Beisetzungen abgesagt. "Bei Sturmböen von bis zu 100 Stundenkilometern besteht die Gefahr, dass Trauernde durch entwurzelte Bäume oder herabfallende Äste verletzt werden", sagte der Leiter der Friedhofsabteilung im Grünflächenamt.
Auch der Pegel des Rheins stieg wegen des starken Regens an und erreichte am Mittag in Köln bereits die Hochwassermarke 1. Die ersten Uferbereiche standen unter Wasser. Zudem wurde die Schifffahrt auf dem Rhein eingeschränkt.
Auch die Pegel der Flüsse in Niedersachsen stiegen flächendeckend an. Für Teile Mittelhessens galt eine Hochwasser-Frühwarnung. Die Schifffahrt auf der Mosel sollte wegen der steigenden Wasserstände voraussichtlich im Laufe des Donnerstags eingestellt werden.
Wann ist ein Orkan ein Orkan? Die Grafik zeigt die Geschwindigkeiten zu den Bezeichnungen (Quelle: dpa)30 bis 40 Zentimeter NeuschneeIn der Nacht zum Freitag schwächt sich der Sturm wieder deutlich ab. Zwar bleibt es immer noch windig bei Sturmböen mit bis zu 80 Kilometern pro Stunde und einigen Schneeschauern, aber insgesamt bleibt die Lage ruhig. Dann sinkt auch die Schneefallgrenze auf bis zu 300 Meter und bringt winterliche Verhältnisse. "Ab 300 bis 500 Metern können Schneeschauer auch glatte Straßen verursachen", erklärte Ruhnau. Richtig weiß wird es allerdings nur am Alpenrand und in den Alpen. Hier ziehen kräftige Schneefälle auf, die sogar in den Tälern 30 bis 40 Zentimeter Neuschnee bringen.
In den restlichen Teilen Deutschlands bleibt es hingegen überwiegend trocken. Vereinzelt gibt es Schnee- und Graupelschauer, zwischendrin gibt es immer wieder Platz für die Sonne. Das Sturmtief "Andrea" ist dann bereits Richtung Baltikum abgezogen, in deutlich abgeschwächter Form.
Der alte Baum bei Hannover konnte Sturmtief "Ulli" nicht standhalten und wurde vom Wind umgerissen. zum Video
Quelle: dapd , AFP , dpa , wetter.info
Die Spezialkollektion für jede Kör-
perform: perfekt für Business und Freizeit. zum XXL-Special
Extravagante und schicke Damen-
mode für die neue Saison: jetzt online bestellen. von WENZ
Wetter DänemarkWetter FrankreichWetter GriechenlandWetter HollandWetter KroatienWetter ÖsterreichWetter SchweizWetter NorwegenWetter SpanienWetter TürkeiWetter ItalienWetter PortugalWetter GroßbritannienWetter AustralienWetter USAWetter BerlinWetter DresdenWetter DüsseldorfWetter HamburgWetter KölnWetter LeipzigWetter MünchenWetter NürnbergWetter StuttgartWetter DortmundWetter BremenWetter DarmstadtWetter Frankfurt (Main)Wetter HannoverWetter Karlsruhe