15.01.2011, 10:54 Uhr
Aufatmen in Regensburg: Die Hochwasserlage entwickelte sich heute Morgen weniger dramatisch, als zunächst befürchtet. Pro Stunde stieg das Wasser nur noch um drei Zentimeter. An der Eisernen Brücke erreichte der Pegelstand die 6,14 Meter-Marke.
Der Krisenstab der Stadt rechnet damit, dass der Scheitelpunkt der Flutwelle bei etwa 6,30 Meter liegen und gegen 20 Uhr erreicht sein könnte. Damit würde der höchste Pegelstand unter dem der Flutkatastrophen von 1988 und 2002 bleiben. Die mobilen Schutzwände werden in dem Fall nicht überflutet, und es müsste auch kein Katastrophenalarm ausgerufen werden.
Am Morgen verstärkten die Helfer die Schutzwände weiter mit Sandsäcken. Die historische und bei Touristen beliebte Wurstbude "Wurschtkuchl" in der Regensburger Altstadt stand bereits zur Hälfte im Wasser. Nach Angaben der Stadtverwaltung waren in der Stadt jedoch keine Schutzwände gebrochen.
In Passau ging der Pegelstand der Donau zurück, am Samstagmorgen lag er bei 8,40 Meter. Eine Sprecherin der Stadt Passau sagte, es werde damit gerechnet, dass der Stand im Lauf des Samstags um weitere 20 Zentimeter zurückgehe. Für Sonntag werde zwar erneut mit einem Anstieg gerechnet, dieser solle aber mit 30 Zentimetern moderater ausfallen als ursprünglich angenommen.
In Mittel-, Unter- und Oberfranken blieben zahlreiche Straßen in Ufernähe gesperrt, darunter einige Bundesstraßen.
Am Rhein steigen derweil die Pegel weiter. In Koblenz soll das Rhein-Hochwasser am Sonntag fast die Höhe der ersten Flutwelle vom Wochenbeginn erreichen. Das Hochwassermeldezentrum in Mainz erwartet einen Höchststand von bis zu 7,50 Metern. Experten hatten zuvor noch etwa 15 Zentimeter weniger vorhergesagt. Am Montag war der Pegelstand bis auf 7,52 Meter gestiegen. 5000 Einwohner waren in der Rhein-Mosel-Stadt vom Hochwasser betroffen. Am Samstagvormittag lag der Wasserstand bei 7,15 Meter - das Deutsche Eck war bereits teilweise überspült. Einige Straßen in Ufernähe standen unter Wasser, Keller liefen voll.
Auch in Sachsen bleibt die Hochwasserlage angespannt. Ein Schwerpunkt sei weiterhin die Elbe, teilte das Landeshochwasserzentrum mit. Zwar stagnierten hier die Wasserstände in der Nacht. Im Laufe des Tages sollten sie aber wieder ansteigen. Demnach wird die Elbe voraussichtlich bis Samstagabend stellenweise auf bis zu siebeneinhalb Meter steigen und damit die höchste Alarmstufe 4 erreichen. Der Wasserstand der Schwarzen Elster hatte sich bereits in der Nacht zum Samstag dem Richtwert für den Katastrophenabwehr-Alarm angenähert.
Am Morgen galt für die Pegel in Riesa, Dresden und Schöna die zweithöchste Hochwasseralarmstufe 3. In Schöna wurden 6,57 Meter gemessen. Angespannt ist die Lage außerdem an der Vereinigten Mude und ihren Zuflüssen. Auch hier galt an vielen Pegeln im Norden Sachsens die Alarmstufe 3.
In Brandenburg und in Thüringen gilt vielerorts Alarmstufe 3, wie die Hochwassermeldezentrale auf ihrer Internetseite schrieb. In Sachsen-Anhalt wurde am Morgen zum Schutz der Stadt Magdeburg das Pretziener Wehr geöffnet. Es ist die wichtigste Hochwasserschutzanlage der Region. Dadurch strömt ein Drittel des Wassers in einen Kanal. Für die Elbe wird in Magdeburg mit einem Anstieg des Pegelstandes auf 5,50 Meter gerechnet.
Die Stadt Wertheim in Baden-Württemberg muss sich unterdessen auf das schlimmste Main-Hochwasser seit sieben Jahren einstellen. Nach Prognosen der Einsatzleitung könnte der Scheitelpunkt der Hochwasserwelle am Montag etwa sechs Meter erreichen und damit den bisherigen Höchstwert vom vergangenen Mittwoch überschreiten. Denn am Oberlauf des Mains steigen die Pegelstände nach Angaben der Experten weiterhin an; sie liegen jetzt schon über dem Scheitel der ersten Hochwasserwelle. Im Jahr 2003 erreichte der Pegel des Mains einen Stand von 6,08 Metern.
Die erste Hochwasserwelle hatte Wertheim am Mittwoch mit einem Höchststand von 5,80 Meter erreicht. Nach einem kurzzeitigen Absinken war das Wasser am Freitag wieder angestiegen. Am Samstagmorgen betrug der Stand 5,52 Meter.
In Nordrhein-Westfalen entspannte sich unterdessen die Lage. Meteorologen erwarteten keine größere Niederschläge.
Quelle: dpa
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