26.12.2010, 12:42 Uhr
Neue Schneemassen und Verwehungen haben die Fahrt auf Straße und Schiene auch am ersten Weihnachtstag erschwert. Vor allem im Norden und Osten türmten Böen immer wieder Schneehindernisse auf. An der Küste Mecklenburg-Vorpommerns waren zahlreiche Straßen unpassierbar.
In Thüringen und Sachsen liegt der meiste Schnee im Flachland (bis 500 Meter Höhe): 71 Zentimeter in Harzgerode (Sachsen-Anhalt) und 65 Zentimeter in Katzhütte (Thüringen) (Top 12 der Schneehöhen). In Sachsen blieben einige Züge in Schneewehen stecken und mussten von Schneefräsen befreit werden. Erneut wurden bundesweit zahlreiche Verkehrsunfälle gemeldet. Die Situation blieb aber vergleichsweise entspannt - weil die meisten Menschen ihr einmal erreichtes Weihnachtsziel nicht mehr verließen.
Im Fernverkehr der Bahn gab es wegen des Schnees wieder zahlreiche Verspätungen und auch Zugausfälle. Zunächst kämpften Räumtrupps vor allem auf den Bahnstrecken im Norden und Osten gegen hohe Schneeverwehungen, die immer wieder Zugstrecken etwa in Ostholstein, auf Rügen und Nebenstrecken bei Anklam in Mecklenburg-Vorpommern blockierten. Auch vereiste Oberleitungen zwangen die Bahn immer wieder zu zeitaufwendigen Umleitungen.
Heftiger Wind wehte Schnee von den Feldern auf die B5 bei Ludwigslsust und machte die Straßen unpassierbar. Mehrere Lkw-Fahrer saßen fest. zum Video
Gegen Mittag waren dann auch Sachsen und Thüringen massiv von Schneeverwehungen betroffen. "In Sachsen mussten vier Fernzüge bis zu eineinhalb Stunden auf der Strecke warten, bis Schneefräsen die Strecke freigeräumt haben", berichtete ein Bahnsprecher.
Komplett gesperrt wurde die Strecke vom niedersächsischen Lüneburg nach Dannenberg. "Dort sind etliche Bäume durch die Schneelast auf die Gleise gekippt", sagte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Die Räumung werde vermutlich bis in die Abendstunden dauern. Nur eingleisig zu befahren war ein Abschnitt zwischen Magdeburg und Braunschweig.
Auf den Flughäfen herrschte weitgehend Normalbetrieb. Es könne wegen der nötigen Enteisung der Maschinen zu kleineren Verspätungen kommen, hieß es lediglich. Ein Sprecher am Frankfurter Flughafen sagte, es habe bis zum Mittag zwar 40 wetterbedingte Flugausfälle gegeben, aber die Lage sei ruhig. Die Bahnen seien alle frei. Planmäßig sollten am Samstag 860 Maschinen starten.
Im sächsischen Zwickau fiel in rund 5000 Haushalten die Heizung aus, nachdem es am frühen Morgen technische Probleme im Heizwerk des Zwickauer Energieversorgers gab. Zunächst war nicht absehbar, wann die Menschen wieder mit warmen Wohnzimmern rechnen konnten. Wer die kalte Wohnung verließ, kam zumindest mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auch nicht weit: Es fuhren keine Straßenbahnen mehr - genau wie in Leipzig, Erfurt, Magdeburg und Halle (Saale).
Im Altmarkkreis Salzwedel waren weiter einige Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten. Herabgestürzte Bäume hatten die Leitungen beschädigt, so dass zunächst Tausende Menschen ohne Strom auskommen mussten. Im Laufe des Samstags sollten die verbleibenden Siedlungen wieder versorgt werden, wie die Sprecherin eines Energieunternehmens sagte.
Polizeileitstellen berichteten deutschlandweit von hunderten Glätteunfällen, die aber meist nur Blechschäden zur Folge hatten. "Die Leute sind richtig weihnachtslieb", sagte ein Sprecher der Polizei im hessischen Offenbach. Beim Verkehrswarndienst in Baden-Württemberg hieß es: "Die Leute sind alle vernünftig, fahren moderat und passen auf ihr heilig's Blechle auf."
Der Winterdienst war aufgrund der teilweise hohen Schneeverwehungen damit ausgelastet, die Hauptstraßen und Autobahnen frei zu halten. Die Polizei rät dringend, jede irgendwie vermeidbare Autofahrt zu unterlassen. Wer unbedingt fahren müsse, sollte sich auch auf den frei geräumten Bundesstraßen und Autobahnen mit Vorsicht und angemessener Geschwindigkeit bewegen, da zusätzlich mit gefährlicher Glätte gerechnet werden müsse.
Wie gut es der Winter meint, zeigen einige ausgewählte Schneehöhen im deutschen Flachland: In Michelstadt im hessischen Odenwald liegen 30 Zentimeter, ähnlich viel ist in Berlin (31 Zentimeter) und am Flughafen Schönefeld (Brandenburg) heruntergekommen. Im thüringischen Erfurt hat es 40 Zentimeter geschneit, in Bochum im Ruhrgebiet sogar 44 Zentimeter. Ein halber Meter Schnee liegt in Driedorf in Hessen sowie Velbert-Neviges in Nordrhein-Westfalen. Mit am meisten Schnee haben die Menschen in Thüringen: In Gera sind's 64 Zentimeter, in Katzhütte 65 Zentimeter. Spitzenreiter ist allerdings Harzgerode in Sachsen-Anhalt mit 71 Zentimeter.
Quelle: dpa
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