Das Tauwetter lässt die Schneereste schmelzen und sorgt für steigende Flusspegel (Foto: imago) Schneemassen und glatte Straßen haben Tausenden Kindern und Jugendlichen in Norddeutschland erneut einen schulfreien Tag beschert. Gleichzeitig gab es vor allem in Niedersachsen nach Blitzeis zahlreiche Unfälle, bei denen mehrere Menschen verletzt wurden. Auf der von Eis eingeschlossenen Insel Hiddensee entspannte sich die Lage, nachdem ein Marinehubschrauber am Mittwoch zuvor Lebensmittel und Medikamente auf die Insel gebracht hatte.
Doch kaum sind die heftigen Schneefälle vorbei, rückt auch schon das nächste Wetterereignis an: Im Einzugsgebiet von Saar und Mosel drohen Hochwasser. Nach den schweren Regenfällen und wegen des Tauwetters steigen derzeit die Pegelstände. "Auf der Saar ist die Schifffahrt bereits eingestellt worden", sagte Andreas Wagner von der Meteomedia Unwetterzentrale gegenüber wetter.info.
Betroffen sind insbesondere das Saarland und Teile von Rheinland-Pfalz. "Mittlerweile hat der Regen zwar aufgehört, aber gegen Nachmittag setzt rund um die Saar Tauwetter ein", erklärte der Meteorologe. Der schmelzende Schnee könnte Flüsse und Bäche dann noch weiter anschwellen lassen. Der Wasserstand der Saar beträgt bei Saarbrücken mittlerweile 3,25 Meter - ab einem Pegel von 3,90 Meter muss die Saarautobahn gesperrt werden.
Straßen können gesperrt werden
Im rheinland-pfälzischen Trier erwartet das Hochwassermeldezentrum Mosel am Wochenende weiteres Hochwasser. Bereits am Donnerstag erreichte der Pegel 6,70 Meter, der Jahresdurchschnitt liegt bei 3,30 Meter. "An der Mosel müssen möglicherweise im Laufe des Tages einige Bundes- und Landstraßen gesperrt werden", so Wagner. Aber der Meteorologe stellte klar: "Es handelt sich um ein normales Winterhochwasser, es stehen noch keine Ortschaften unter Wasser".
Unterdessen blieben heute viele Schulen im Norden des Landes wegen der Schneemassen auf den Dächern geschlossen. Die Gebäude der beruflichen und allgemeinbildenden Schulen dürften nicht betreten werden, teilte etwa die Polizei in Kiel mit. Einsturzgefahr bestehe aber nicht. In Mecklenburg-Vorpommern musste ausgerechnet eine Skihalle vorübergehend geschlossen werden. Seit Mittwoch sei das Personal der riesigen Halle mit 330 Meter langen Abfahrten damit beschäftigt, das Dach zu räumen, teilte ein Sprecher des Betreibers mit.
Verletzte bei Dachräumung
Auch im Sauerland ächzten die Dächer unter der nassen Schneelast. In Attendorn stürzten zwei Männer in die Tiefe, als sie auf dem Dach einer Reithalle den Schnee räumten. Dabei verletzten sie sich schwer. Mehrere Betriebe mussten gesperrt werden, weil die Dächer einzustürzen drohten.
Lage auf Hiddensee entspannt sich
Auf der Insel Hiddensee entspannte sich dank einer Luftbrücke die Lage allmählich. "Dem Eisberg ist durch den Hubschraubereinsatz die Spitze genommen", sagte Bürgermeister Manfred Gau. Die Stimmung auf der Insel sei gefasst. "Wir leben in der Natur, mit der Natur und von der Natur", sagte Gau. Auf einer Insel müsse man bei extremen Witterungsverhältnissen wie diesen mit Einschränkungen rechnen.
Militärhubschrauber im Einsatz
Am Mittwoch hatte ein Marinehubschrauber unter anderem sieben Tonnen Lebensmittel, Medikamente und Waren des täglichen Bedarfs auf die Insel gebracht. Das sollte die Versorgung für eine Woche sichern. Touristen wurden aufs Festland geflogen.
FDP will nationale Streusalzreserve
Die FDP forderte angesichts der Engpässe im Winterdienst eine bundesweite Streusalzreserve. "Der Bund muss als Auftraggeber alle Bundesländer zur Vorhaltung einer Mindestreserve an Salz drängen, damit im gesamten Bundesgebiet die Bundesverkehrswege auch in Wintersituationen uneingeschränkt befahrbar sind", sagte der FDP- Verkehrsexperte Patrick Döring der "Rheinischen Post".