04.01.2012, 17:05 Uhr | hs, rf
Seit heute Nacht wirbelt Sturmtief "Andrea" über weiten Teilen Deutschlands. Meteorologen erwarten am Vormittag einen ersten Höhepunkt des Unwetters. In der gesamten Westhälfte drohen laut Meteomedia Unwetterzentrale orkanartige Böen und heftige Gewitter. In den Bergen ist zudem teils starker Schneefall mit dabei. Erst ab dem Nachmittag wird sich die Wetterlage wieder beruhigen. Bis dann ist besonders der Süden betroffen.
"Andrea" schickt landesweit schwere Sturmböen und orkanartige Böen nach Deutschland. Verbreitet sind also Windgeschwindigkeiten von 90 bis 110 Kilometern pro Stunde möglich, selbst in tieferen Lagen. "In den Bergen ab 500 bis 700 Höhenmetern gibt es sogar die volle Orkanstärke mit 120 bis 140 Kilometern pro Stunde", sagte Unwetterexperte Fabian Ruhnau im Gespräch mit wetter.info.
Auf den höchsten Gipfeln sind Böen mit über 150 Kilometern pro Stunde möglich. "Damit könnte sich 'Andrea' zu einem der heftigsten Stürmen dieser Sturmsaison entwickeln", sagt Ruhnau. Bereits "Joachim" sei stark gewesen, allerdings nur im Süden Deutschlands. "Jetzt wird es weite Teile Deutschlands erwischen."
Für die deutsche Nordseeküste, Emden, Bremen und Hamburg hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg eine Sturmflutwarnung ausgegeben.
Köln bereitet sich ebenfalls auf das erste Hochwasser des Jahres vor. Wegen des erwarteten kräftigen Regens werde der Pegelstand des Rheins weiter steigen, sagte der Leiter der Hochwasserschutzzentrale, Reinhard Vogt. Von Donnerstag an werde es deshalb wohl erste Einschränkungen für die Schifffahrt geben. Nach Angaben der Polizei in Köln bestand am frühen Donnerstagmorgen jedoch noch keine Gefahr.
Insgesamt blieb die Lage in der Nacht zum Donnerstag bundesweit unerwartet ruhig. "Wir warten noch auf den großen Sturm", sagte ein Sprecher der Polizei in Bremen. "'Ulli' hat uns gestern mehr beschäftigt." Auch in Nordrhein-Westfalen, wo "Andrea" besonders wüten sollte, blieb es nach Polizeiangaben zunächst ruhig.
In den höheren Lagen können die Niederschläge vor allem am Donnerstagmorgen und am Abend auch mal als Schnee herunterkommen. Während in der Nacht die Schneefallgrenze noch bei 500 bis 600 Metern liegt, steigt sie in den Mittagsstunden auf rund 1000 Meter an, um am Nachmittag wieder deutlich vom Norden her auf 500 bis 700 Meter abzusinken. "Damit kann es im Sturm auch Schneeverwehungen geben", sagt Ruhnau.
Wann ist ein Orkan ein Orkan? Die Grafik zeigt die Geschwindigkeiten zu den Bezeichnungen (Quelle: dpa)Der Höhepunkt des neuen Orkantiefs wird am Donnerstagmittag erwartet. "Vor allem auf Bayern und Baden-Württemberg wird einiges zukommen", warnt der Meteorologe. "Ab dem späten Vormittag bis zum Nachmittag sollte man hier am meisten aufpassen."
Vor allem Wälder sollten gemieden werden. "Das gilt auch für die Autofahrer. Gerade Landstraßen sind mit den Bäumen rechts und links der Straße sehr gefährlich", warnt Fabian Ruhnau. Denn die Hauptgefahr bei diesem Sturm seien umstürzende Bäume: "Die Regenfälle der letzten Wochen haben die Böden aufgeweicht. Die Bäume entwurzeln bei so einem Sturm wesentlich schneller", so Ruhnau weiter. Daher sollte man sein Auto möglichst auch nicht unter Bäumen parken. Bleibt man daheim, so gilt es vor allem, alles "niet- und nagelfest" zu machen.
In der Nacht zum Freitag schwächt sich der Sturm wieder deutlich ab. Zwar bleibt es immer noch windig bei Sturmböen mit bis zu 80 Kilometern pro Stunde und einigen Schneeschauen, aber insgesamt bleibt die Lage ruhig. Dann sinkt auch die Schneefallgrenze auf bis zu 300 Meter und bringt winterliche Verhältnisse. "Ab 300 bis 500 Metern können Schneeschauer auch glatte Straßen verursachen", erklärt Ruhnau. Richtig weiß wird es allerdings nur am Alpenrand und in den Alpen. Hier ziehen kräftige Schneefälle auf, die sogar in den Tälern 30 bis 40 Zentimeter Neuschnee bringen.
In den restlichen Teilen Deutschland bleibt es hingegen überwiegen trocken. Vereinzelt gibt es Schnee- und Graupelschauer, die zwischendrin immer wieder Platz für die Sonne machen. Das Sturmtief Andrea ist dann bereits Richtung Baltikum abgezogen, in deutlich abgeschwächter Form.
Der alte Baum bei Hannover konnte Sturmtief "Ulli" nicht standhalten und wurde vom Wind umgerissen. zum Video
Quelle: dpa , wetter.info
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