22.07.2010, 07:42 Uhr | Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa
Kältewelle in Südamerika: Eine ältere Frau hat sich schützend in ihren Poncho gehüllt. (Foto: dpa)
Strände und Palmen sind von Schnee bedeckt, in kaum isolierten Häusern bibbern die Menschen. Mindestens 175 sind im strengsten südamerikanischen Winter seit langem bereits gestorben: erfroren, Erkältungen erlegen oder an den Abgasen defekter Heizungen erstickt. Besonders in den höheren Lagen der Anden im Norden Argentiniens und im Süden Perus fielen die Temperaturen auf Rekordwerte von minus 20 Grad.
Was die Menschen in Deutschland einfach die Heizung etwas höher drehen ließe, ist im Süden des Subkontinents eine Katastrophe. Die meisten Häuser sind kaum gedämmt, es zieht durch Fenster und Türen, als Heizung dienen bestenfalls simple Öfen oder auch nur offene Feuerstellen. Heizmaterial ist in den Hochlagen ohnehin immer knapp. Oft muss es in stundenlangen Märschen von weit her herangeschleppt werden. Gasflaschen können sich die meisten der armen Bauern nicht leisten, auch Strom ist zu teuer oder gar nicht erst zu haben.
Nicht nur die Menschen, auch die Tiere leiden. Vielerorts stirbt das Vieh auf den schneebedeckten Weiden. Schützende Ställe gibt es nicht. Bessere Chancen haben die Kleinen: Spinnen und Ameisen machen sich derzeit in Wohnungen und Häusern breit, in den U-Bahnwagen der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires sind dieser Tage plötzlich streunende Hunde anzutreffen. Sie stehen auf dem Bahnsteig vor der geöffneten Waggontür und warten. Wenn das Warnsignal ertönt, dass sich die Türen gleich schließen, springen sie im letzten Augenblick in den Wagen und verkriechen sich unter die Sitzbänke. Die Fahrgäste nehmen es trotz der chronischen Überfüllung gelassen.
Wer an Südamerika denkt, dem kommen Bilder von Sandstränden, Palmen und den endlosen feucht-heißen Urwäldern des Amazonas in den Sinn. Tatsächlich ist das Klima in den meisten Regionen milder und die Sommer sind viel heißer als in Deutschland. Aber wenn sich wie derzeit Luftmassen polaren Ursprungs bis weit in den Norden vorschieben, wird es plötzlich bitterkalt.
Schnee bedeckt dann die Strände des argentinischen Seebades Mar del Plata, wo im Sommer Hunderttausende in der Sonne braten. Die Palmen in der Provinz Entre Rios sind weiß überzuckert und im peruanischen Amazonasurwald gehen die Temperaturen bis auf zehn Grad zurück.
Touristen mögen sich über die bizarren Motive schneebedeckter Strände und weiß überzuckerter Palmen freuen, vor allem Menschen aus den armen Bevölkerungsschichten aber müssen um ihr Leben kämpfen. In den Städten sind vor allem Obdachlose gefährdet. In Buenos Aires werden im Fernsehen und im Radio die Adressen von Notunterkünften und Wärmehallen durchgegeben.
Allerdings klagen viele der Bedürftigen, sie hätten gar nicht das Geld, die Heime zu erreichen. Außerdem seien die oft in einem erbärmlichen Zustand und voller Ungeziefer wie Läuse und Kakerlaken. Wer irgend kann, macht deshalb einen Bogen um die Notquartiere und versucht, die kalten Tage mit Hilfe von Decken, Pappe und Zeitungspapier unter der Jacke zu überleben. Ehrenamtliche Helfer verteilen auf Straßen und Plätzen kostenlos Suppe und Brot.
Quelle: dpa
Schneemann schrieb:
am 24. Juli 2010 um 17:29:30
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Kältetot unter Palmen
Furchtbar was die Menschen in Südamerika da durchmachen müssen.Man kennt die Verhältnisse zu wenig. Diese Armut und
das in dem gelobten Amerika ist eigentlich kaum zu glauben.Das war immer mein geheimer Traum einmal nach Peru zu dürfen aber nun verzichte ich da lieber.
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