17.10.2011, 07:32 Uhr
Soldaten schütten in der Nähe von Bangkok Sandbarrieren auf (Quelle: Reuters)
Angesichts der verheerenden Überschwemmungen in Thailand hat die Regierung ein Drittel des Landes zum Katastrophengebiet erklärt. Vize-Regierungschef Yongyuth Wichaidit sagte, die Behörden könnten dadurch schneller Hilfe verteilen und die Budgets besser handhaben. Von der Entscheidung sind 26 der 77 Provinzen Thailands betroffen.
Nach starken Monsun-Regenfällen steigt der Chayo-Praya-Fluss, der auch durch Bangkok fließt, weiter an.
Die Hauptstadt bereitet sich bereits auf große Wassermengen vor, die in den kommenden Tagen erwartet werden. Die Behörden lassen rund um die Stadt Kanäle und Wasserwege ausheben. Der internationale Flughafen und Teile der Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt wurden verstärkt geschützt. So wurde ein 75 Kilometer langer Sandsack-Wall aufgeschüttet. Die Einwohner kaufen Lebensmittelvorräte; in vielen Läden gibt es wegen der Hamsterkäufe bereits Engpässe.
Bis Freitag sollen die Hauptkanäle im Osten und Westen der Stadt fertig sein und so gewährleisten, dass mehr Wasser aus den überschwemmten Provinzen ablaufen kann, sagte ein Regierungssprecher.
Auch die Industrie ist zunehmend betroffen: Mehr als 900 Fabriken seien überschwemmt, schätzte Handelsminister Wannarat Channukul. Dadurch seien mehr als 200.000 Menschen kurzfristig ohne Arbeit. Zuvor hatte das Finanzministerium mitgeteilt, das Wirtschaftswachstum könne dieses Jahr wegen der Fluten bis zu 0,9 Prozent einbüßen. Die Überschwemmungen hätten Schäden von mehr als 1,9 Milliarden Euro angerichtet.
Der japanische Autobauer Toyota stellt die Produktion in seinen drei thailändischen Werken bis mindestens Samstag ein. Nach Angaben des Unternehmens sind die Standorte zwar nicht direkt betroffen, das Hochwasser habe aber zu Störungen bei den Zulieferern geführt. Am Samstag soll entschieden werden, ob die Produktion wieder aufgenommen wird.
Thailand erlebt seit mehr als zwei Monaten die heftigsten Regenfälle und Überschwemmungen seit Jahrzehnten. Die Zahl der Toten steigt immer weiter. Bisher sind mehr als 280 Menschen ums Leben gekommen, teilten die Behörden mit. China brachte über eine Luftbrücke Hilfsausrüstung mit einem Wert von umgerechnet mehr als 366.000 Euro. Eine Maschine mit 120 Booten, 60 Wasserreinigungsanlagen und Wassertanks landete in Bangkok.
Das Unwetter zerstörte zahlreiche Städte nördlich von Bangkok. So wurde mittlerweile auch die Stadt Pathum Thani überschwemmt - trotz Hochwasser-Barrieren. Seit dem Wochenende steht das UNESCO-Weltkulturerbe in der antiken Stadt Ayutthaya, etwa 90 Kilometer nördlich von Bangkok, unter Wasser. Hunderte Patienten mussten aus den Krankenhäusern der Stadt evakuiert werden. Industriegebiete nahe der alten Hauptstadt des Königreichs Siam sind ebenfalls überflutet.
Seitdem die Fluten in Ayutthaya weite Flächen überschwemmt haben, stehlen Plünderer Gegenstände aus verlassenen Häusern und Geschäften. Sogleich kündigte der für das Hochwasser zuständige Polizeichef Pongsaphat Pongcharoen härtere Strafen an.
Auch in Vietnam kämpfen die Menschen gegen die Fluten. Wegen der verheerendsten Überflutungen im Mekong-Delta seit über zehn Jahren starben bisher 43 Menschen. Fast 70.000 Häuser seien überschwemmt worden, teilte die Regierung mit. Im Süden des Landes seien zudem Schäden in der Landwirtschaft und der Infrastruktur in Höhe von 55 Millionen Dollar zu verzeichnen. Über 234.000 Schüler konnten wegen des Hochwassers den Unterricht nicht besuchen.
Quelle: dapd , AFP , dpa
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