02.11.2010, 13:22 Uhr
Starker Regen auf der Karibikinsel Haiti macht den Menschen in dem noch weitgehend zerstörten Land das Leben schwer (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)
Hurrikan "Tomas" ist über die Inseln der kleinen Antillen hinweggefegt und hat dort gewaltige Schäden angerichtet. Zwar haben Meteorologen "Tomas" mittlerweile zu einem schwachen Tropischen Sturm heruntergestuft. "Allerdings ist die Gefahr längst nicht gebannt", sagte Thomas Sävert von der Meteomedia Unwetterzentrale im Gespräch mit wetter.info. In wenigen Tagen könnte der Wirbelsturm wieder enorm anschwellen und mit voller Wucht auf Haiti prallen.
Besonders hart hat es die Inseln Barbados, St. Lucia und Martinique getroffen: "Dort hat der Sturm hunderte Häuser abgedeckt und Bäume abgeknickt", so der Unwetterexperte. Noch immer seien viele Regionen überschwemmt, die Strom und Wasserversorgung zusammengebrochen. In St. Lucia kamen mindestens zwölf Menschen ums Leben, berichtet der "Jamaica Observer" auf seiner Onlineausgabe. Die Behörden gingen von Schäden in Höhe von 100 Millionen Dollar aus.
Dass der Hurrikan plötzlich so viel schwächer geworden ist, war nicht absehbar: "Unerwartet starker Wind in großer Höhe hat den Wirbelsturm geradezu auseinandergerissen", erklärte Sävert. "Direkt über dem Wasser ist das Tiefdruckgebiet des Sturms aber noch intakt." Derzeit rechnen die Meteorologen mit einem baldigen Nachlassen der Höhenwinde - und das mache ein erneutes Anschwellen von "Tomas" zu einem Hurrikan sehr wahrscheinlich.
Am Montag zog "Tomas" nach Westen in Richtung Lateinamerika. Die neusten Wettermodelle sehen den Sturm aber nach Norden eindrehen und nach Haiti ziehen. Dort könnte "Tomas" am Donnerstag auf die Küste prallen.
Selbst wenn "Tomas" nicht mehr wachsen sollte, drohen der Karibikinsel Hispaniola mit Haiti, der Dominikanischen Republik und den umliegenden Inseln enorme Schäden. "Entscheidend für die Zerstörungskraft eines Sturms oder Hurrikans ist nicht nur die Windgeschwindigkeit, sondern auch die Regenmengen, die er mit sich führt", erklärte Sävert.
In den zerklüfteten Gebirgsketten der Inseln drohten dann Erdrutsche und schwere Überschwemmungen. "2004 fegte ein Sturm, schwächer als ein Tropischer Sturm, über Haiti", erinnerte sich Sävert. "Damals starben 3000 Menschen." Nach dem verheerenden Erdbeben in diesem Jahr lebten noch Zehntausende in Zelten und provisorischen Hütten. Diese Menschen seien einem Sturm ohne Schutz ausgeliefert.
Die Hurrikansaison begann diese Jahr zunächst sehr zögerlich. Bis zum 20. August hatten sich nur vier tropische Stürme gebildet. Lediglich einer von ihnen erreichte Hurrikanstärke mit Windgeschwindigkeiten von 118 Kilometern pro Stunde und mehr. Danach ging es Schlag auf Schlag: Inzwischen gab es 19 Stürme, von denen zwölf zu Hurrikanen anwuchsen.
Mit 19 Stürmen liegt das Jahr 2010 bereits auf Platz 3 der sturmreichsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Mehr Stürme wurden nur 2005 (28 Stürme) und 1933 (21) registriert. Im langjährigen Mittel ziehen elf Stürme pro Jahr über den Atlantik, davon sechs Hurrikane, von denen zwei bis drei stark sind. Offiziell läuft die Hurrikansaison noch bis Ende November.
Quelle: wetter.info, rf
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