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Unwetterzentrale: "Dramatische Zuspitzung der Hochwasserlage"

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Unwetterzentrale: "Dramatische Zuspitzung der Hochwasserlage"

13.01.2011, 20:35 Uhr

In der Frankfurter Innenstadt ist der Main über die Ufer getreten (Foto: dapd)

In der Frankfurter Innenstadt ist der Main über die Ufer getreten (Foto: dapd) (Quelle: dapd)

Die Unwetterzentrale erwartet eine dramatische Zuspitzung der Hochwasserlage. Schuld daran sind das Tauwetter und starke Regenfälle, die vielerorts noch bis zum Freitagmittag anhalten. "Neue Allzeit-Rekorde bei den Pegeln sind möglich", sagte Andreas Wagner von Meteomedia gegenüber wetter.info. Vor allem in der Mitte Deutschlands schwellen die Flüsse schnell an. In Frankfurt am Main wird das Wasser die Schutzwälle womöglich überspülen.

Am Donnerstagabend lag der Pegelstand des Mains bei 4,68 Metern. "Wie es weitergeht, können wir noch nicht abschätzen", sagte ein Feuerwehrsprecher. 2003 hatte der Pegel die Marke 5,19 Meter erreicht.

Auch Heidelberg bereitet sich auf das schlimmste Hochwasser seit 2002 vor. Der Scheitelpunkt des Neckars wird für den späten Freitagvormittag erwartet. Teile der Altstadt könnten in den frühen Morgenstunden überflutet werden. Der Hochwasserschutz war im Einsatz, um Schutzwände entlang der Altstadt aufzubauen.

Angespannte Lage in Koblenz

In Koblenz, wo bereits am vergangenen Montag mehrere ufernahe Stadtteile überflutet waren, bleibt die Situation ebenfalls angespannt. "Für die Nacht von Samstag auf Sonntag erwarten wir einen Pegelstand von um die 7,50 Meter", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Am Montag hatte das Wasser am Pegel Koblenz 7,52 Meter erreicht.

Auch die Nebenflüsse in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Thüringen steigen überall stark an. Die bayerischen Behörden rechnen damit, dass in einigen Gebieten die Überschwemmungen stärker ausfallen werden, als bei der ersten Welle in den vergangenen Tagen. An den nördlichen und südlichen Donauzuflüssen wurden am Donnerstagvormittag die Meldestufen 1 und 2 erreicht. Der Hochwassernachrichtendienst rechnet dort verbreitet mit Überschwemmungen der Meldestufe 2 und 3, örtlich auch der Meldestufe 4.

In Sachsen-Anhalt ist an allen Oberläufen der Flüsse ein Wiederanstieg der Pegel zu verzeichnen, wie der Landesbetrieb für Hochwasserschutz in Halle erklärte. Am Donnerstag galt für die Schwarze Elster am Pegel Löben, für die Saale am Pegel Halle-Trotha sowie für die Weiße Elster am Pegel Oberthau die höchste Hochwasserwarnstufe 4. In Thüringen wurde für die Unstrut am Pegel Oldisleben die zweithöchste Alarmstufe ausgerufen.

Die Edertalsperre in Nordhessen könnte am Sonntag oder Montag überlaufen, fürchtet Meteorologe Wagner, und die Weser dürfte stark ansteigen. Eine langwieriges Hochwasser erwartet der Meteorologe auch im Emsland und Ostfriesland.

Die Ruhr und ihre Nebenflüsse schwellen ebenfalls wieder an. Mit den höchsten Wasserständen sei am Samstag zu rechnen, sagte Ulrich Windau von der Hochwasserwarnzentrale der Bezirksregierung Arnsberg. Keller würden voraussichtlich volllaufen und Uferstraßen müssten gesperrt werden.


Die Hochwasserentwicklung an Rhein und Main

Main

Unterlauf bis Mündung: Erster Scheitel am Donnerstag. Am Mittellauf erst stagnierend dann wieder steigend. Am Oberlauf steigend. Ausbildung einer neuen Hochwasserwelle von Freitag bis Sonntag. Höchststand (zweiter Scheitel) an der Rhein-Mündung wahrscheinlich erst am Dienstag.

Oberrhein (bis Mannheim)

Steigend am Donnerstag und Freitag, Hochwasserscheitel am Samstag. Sonntag leicht fallend, Montag deutlicher fallend.

Mittelrhein

Mainmündung bis Bonn derzeit stagnierend, ab Donnerstagabend langsam wieder steigend. Freitag bis Sonntag steigend. Im Raum Koblenz wieder ähnlicher Wasserstand wie am vergangenen Montag denkbar. Montag verhalten fallend. Dienstag und Mittwoch deutlich fallender Wasserstand.

Niederrhein (Köln bis Emmerich)

Derzeit langsam fallender Wasserstand. Pegel in Köln derzeit 7,70 Meter. Heute fallend bis 7,60 Meter. Abends wieder ansteigend, Scheitel möglicherweise am Montag.


80 Liter Regen pro Quadratmeter

Am Donnerstag regnete es im Westen, der Mitte und im Südosten Deutschlands zum Teil kräftig. Der Schwerpunkt der Niederschläge lag von Nordrhein-Westfalen über Hessen, dem nördlichen Baden-Württemberg bis nach Bayern. Bis zum Freitag kommen innerhalb von gut zwei Tagen lokal bis zu 80 Liter pro Quadratmeter zusammen. Neben dem starken Regen verschärfen die mit Wasser gesättigten Böden und das Tauwetter in den Mittelgebirgen die Hochwassersituation.

Der Ausblick für die kommende Tage fällt nicht gerade beruhigend aus: Schweres Hochwasser bis zum Samstag erwartet das Frankenland, Thüringen, der Bayerische Wald, Böhmerwald, Niederbayern, das nördliche Baden-Württemberg im Einzugsgebiet des nördlichen Neckars und der Tauber, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Westsachsen, Sachsen-Anhalt, das Wesergebiet und der Harz.

Lichtblick am Wochenende

Immerhin kündigt sich am Wochenende vielerorts recht freundliches Wetter an: Die Temperaturen erreichen verbreitet zweistellige Werte, und in der Mitte und im Südwesten bleibt es meist trocken, teils auch heiter mit sonnigen Abschnitten.

Am Sonntag wechseln sich fast überall lockere Wolken und Sonne ab, und es wird ungewöhnlich mild für die Jahreszeit. Daran wird sich auch so bald nichts ändern: Winterliches, der Jahreszeit entsprechendes Wetter ist weit und breit nicht in Sicht, so Stefan Laps von der Unwetterzentrale.

Quelle: wetter.info, rf, dapd, dpa


 

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