Auf der A71 bei Erfurt kippte "Emma" einen Transporter um Aufräumen nach dem Sturm: Orkantief "Emma" hat in Deutschland und benachbarten europäischen Ländern große Schäden verursacht. Vierzehn Menschen kamen infolge des Unwetters ums Leben, viele wurden verletzt. Und die Gefahr ist noch nicht vorbei: Ein neues Sturmtief zieht über Deutschland. Allerdings wird es nicht mehr so heftig wie "Emma" sein, so dass das Schlimmste überstanden ist.
Am Sonntag beruhigte sich die Lage, und die Aufräumarbeiten gingen weiter. Die Münchener Rück konnte die Höhe der Versicherungsschäden noch nicht schätzen. Polizei und Feuerwehren sprachen von Millionenschäden.
Sturmfluten und Hagel
Am Samstag hatte "Emma" Häuser und eine Kirchturmspitze abgedeckt, Bauzäune und Schilder herausgerissen, reihenweise Bäume umgeknickt, Straßen unpassierbar gemacht, zu Stromausfällen, Behinderungen im Reiseverkehr und an der Nordsee zu Sturmfluten geführt. In Süddeutschland gab es am Samstag, dem meteorologischem Frühlingsanfang, heftige Hagelschauer, Schnee, Gewitter und Überschwemmungen.
Spitze auf dem Wendelstein
Vielerorts erreichte "Emma" Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 Kilometern pro Stunde. Den Rekordwert registrierte der Wetterdienst Meteomedia mit 222 Stundenkilometern auf dem 1838 Meter hohen Wendelstein in den Bayerischen Alpen. Örtlich stürzten gewaltige Regenmengen nieder. Zwischen Freitagmorgen und Samstagmorgen wurde in Beerfelden im Odenwald 63,6 Liter pro Quadratmeter registriert, auf dem Großen Arber im Bayerischen Wald fielen 63 Liter.
Mindestens sechs Menschen fielen dem Orkan in Deutschland zum Opfer, je zwei starben in Tschechien und Polen, vier in Österreich. Darunter waren nach Angaben der österreichischen Polizei zwei deutsche Urlauber. Meteorologen werteten es als Glück im Unglück, dass die Sturmfront an einem Samstag Deutschland heimgesucht hatte. Unter der Woche wären mehr Menschen unterwegs gewesen.
Tote im Straßenverkehr
Bei Wissen im Westerwald wurde ein 58 Jahre alter Mann in einem Auto von einer Fichte erschlagen. Bei Oberpfaffenhofen erfasste eine Böe einen Motorrollerfahrer und drückte ihn in den Gegenverkehr. In Sachsen kam eine 68-jährige Beifahrerin bei einem Autounfall in der Nähe von Freiberg ums Leben. In der Nähe von Bissingen starb ein 19-jähriger Autofahrer, als er trotz eines starken Graupelschauers auf eisglatter Fahrbahn überholte und mit einem Transporter zusammenstieß. Ein 48 Jahre alter Mann starb in Sachsen-Anhalt, als er die Kontrolle über sein Auto verlor. In Polen starb ein 42-jähriger Mann, als ein entwurzelter Baum sein Auto zerdrückte. Ein 28-Jähriger kam ums Leben, weil sich das Dachteil eines vor ihm fahrenden Lasters im Sturm löste und auf sein Auto geweht wurde.
Gefahr ging von Bäumen und Felsbrocken aus
In Deesen stürzte ein gläubiger Mann von einem Baum in den Tod. Er hatte den Baum mit Kordel und Draht sichern wollen, damit dieser nicht auf eine in der Nähe stehende Marienstatue kippt. In Tirol starb ein 77 Jahre alter deutscher Tourist, als ein Baum auf sein Auto krachte. Ebenfalls in Tirol kam auf einem Campingplatz ein 69-Jähriger aus dem Raum Friedrichshafen ums Leben. Eine Windböe hatte den Urlauber und seine Frau unter dem eigenen Wohnwagen begraben. Die Frau kam ins Krankenhaus. In St. Pölten starb eine Frau, als ein Baum ihr Cabrio zerschmetterte. Im Bundesland Salzburg wurde ein Urlauber in einem Taxi von einem herabstürzenden Felsbrocken erschlagen.
Notstand in Böhmen
In Tschechien forderte "Emma" zwei Menschenleben. Ein Mann wurde auf einem Friedhof von einem herabfallenden Metallstück getötet. Ein elfjähriges Mädchen wurde von einem umstürzenden Baum begraben. Vier südböhmische Landkreise riefen zeitweise den Notstand aus. Am Sonntagmorgen waren in Ostböhmen noch etwa 100.000 Menschen ohne Strom.
Unfälle mit Zügen
Auf der Strecke Berlin-Leipzig fuhr am Samstagabend eine Regionalbahn gegen einen umgestürzten Baum. Von den 150 Fahrgästen wurde niemand verletzt. Zuvor war bereits in der Nähe von Bonn ein ICE ebenfalls gegen einen umgestürzten Baum gefahren, der ein Loch in das Dach der Lokomotive gerissen und den Lokführer eingeklemmt hatte. Dabei wurden mehrere Menschen, darunter der Zugführer, leicht verletzt. In Heidelberg drohte der Neckar wegen der starken Regenfälle über die Ufer zu treten.
In Wien kippte im Sturm ein Kran auf die Gleise des Südbahnhofes und beschädigte Signale, Strom- und Oberleitungen, Bahnsteigkanten und eine Außenwand. Der Bahnhof bleibt voraussichtlich bis zum Mittwoch geschlossen. In Rumänien führten "Emma"-Ausläufer zu Überschwemmungen, im Norden des Landes mussten mehr als hundert Familien ihre Häuser verlassen.
Sportveranstaltungen wurden abgesagt
Auch einige Sportveranstaltungen wurden vom Winde verweht. Das für Samstag angesetzte Fußball-Bundesliga-Spiel Energie Cottbus gegen den VfB Stuttgart fiel ebenso aus wie die alpinen Skirennen in Zwiesel im Bayerischen Wald und Weltcup-Wettbewerbe der Skispringer und Nordischen Kombinierer im finnischen Lahti.
"Nicht so großflächig wie 'Kyrill'"
Das Geschehen sei teilweise "dramatisch" gewesen, urteilte Jörg Kachelmann vom Wetterdienst Meteomedia. "Emma" wütete aber "nicht so großflächig wie 'Kyrill'". Der Orkan hatte im Januar 2007 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 202 Kilometern pro Stunde eine Schneise der Verwüstung durch Europa geschlagen. 47 Menschen starben damals, elf davon in Deutschland.