26.10.2010, 15:09 Uhr
Im September gab es in der Arktis so wenig Eis wie selten zuvor (Bild: dpa)
So warm wie dieses Jahr war es bisher nur einmal: Die weltweite Durchschnittstemperatur war in den ersten neun Monaten so hoch wie im Rekordjahr 1998. Ein neuer Rekord ist allerdings nicht in Sicht, denn das Wetterphänomen "La Niña" wird das Meer und die Atmosphäre in den nächsten Monaten deutlich abkühlen.
Die mittlere Temperatur von Land- und Meeresoberfläche erreichte laut der US-Wetterbehörde NOAA 14,75 Grad - das sind 0,65 Grad mehr als die langjährige Durchschnittstemperatur. Während es in zahlreichen Gegenden der Erde von Ostasien bis in die USA überdurchschnittlich warm war, erreichte Los Angeles am 27. September sogar einen neuen Temperaturrekord: Das Quecksilber stieg in der südkalifornischen Metropole auf 45 Grad.
Die warmen Temperaturen machten sich vor allem auch im hohen Norden bemerkbar. Im September waren rund um den Nordpol nur 4,9 Millionen Quadratkilometer von Eis bedeckt - das sind etwa 30 Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt. Es ist die drittkleinste Eisausdehnung seit Beginn der Messungen.
Einige Regionen auf der Südhalbkugel merkten allerdings nicht viel von den ungewöhnlich hohen Temperaturen. In Australien registrierten Meteorologen im gleichen Zeitraum die kühlsten Temperaturen seit 1984. Auch am Südpol war es kälter als sonst: Die Eisfläche war hier sogar um 2,3 Prozent größer als im langjährigen Durchschnitt.
In den nächsten Monaten wird es auch in anderen Regionen wieder abkühlen. Denn im September begann sich das Wetterphänomen La Niña zu entwickeln. So bezeichnen Meteorologen eine deutliche Abkühlung des Wassers im zentralen und östlichen Pazifik, die weltweit das Klima beeinflusst. La Niña tritt regelmäßig alle paar Jahre auf, die genauen Ursachen sind noch unbekannt.
La Niña verstärkt die Niederschläge in der westlichen tropischen Pazifikregion, auf den Philippinen und in Indonesien, während die Westküste Südamerikas auf der anderen Pazifikseite trockener wird. Vor allem aber lässt der kühlere Pazifik in vielen Regionen die Temperaturen nach unten gehen, zum Beispiel in Südostafrika, Japan, Südalaska und Kanada.
Im Jahresdurchschnitt wird die weltweite Temperaturbilanz daher wohl nicht ganz so hoch ausfallen wie in den ersten neun Monaten: "Fast alle Wettermodelle sagen eine Fortdauer oder Verstärkung von La Niña für die nächsten vier bis sechs Monate voraus", teilte die World Meteorological Organization (WMO) mit.
Quelle: wetter.info, mj
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