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Wintereinbruch: Deutschland ist zugeschneit

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Starkschneefälle und Sturm: Chaos in Deutschland

02.12.2010, 10:27 Uhr

Deutschlandweit behindern Schneemassen massiv den Verkehr (Foto: dapd)

Deutschlandweit behindern Schneemassen massiv den Verkehr (Foto: dapd) (Quelle: dapd)

Starke Winde und Stürme haben fast das ganze Land mit Schnee bedeckt. Straßen waren vielerorts unpassierbar, Autos und Lastwagen blieben stecken. Hunderte verbrachten die Nacht auf Autobahnen. Drei Menschen starben bei Verkehrsunfällen - und auch heute geht das Schneegestöber im Norden weiter.

In der Nacht führten Starkschneefälle in weiten Teilen des Landes wieder zu einem Verkehrschaos. Die Deutsche Bahn teilte mit, dass es in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und im Norden Bayerns zu erheblichen Störungen gekommen sei. Schnee auf den Gleisen, umgestürzte Bäume auf den Schienen oder zerstörte Oberleitungen und Weichen sind das Hauptproblem.

Hunderte Bahnreisende haben die Nacht auf dem Frankfurter Hauptbahnhof verbracht. Sie wollten nach Angaben eines Bahn-Sprechers nach Ostdeutschland reisen, ihre ICE-Züge endeten aber vorzeitig in Frankfurt. Da wegen einer Messe in der Stadt kaum Hotelzimmer zur Verfügung standen, wurden die Passagiere in Schlafwagenzügen untergebracht. Am Morgen konnten sie ihre Reise fortsetzen.

ICE stoppt Fahrt nach München

In Sachsen musste der Fernverkehr aus Leipzig nach Nürnberg eingestellt werden. Am Morgen hätten die Züge weiterfahren können, es gebe aber nach wie vor "erhebliche Einschränkungen". Wie viele Züge insgesamt betroffen waren, konnte der Sprecher zunächst nicht sagen.

Im thüringischen Saalfeld stoppte ein ICE nach München seine Fahrt. Die 165 Fahrgäste wurden von Feuerwehrleuten und Rettungshelfern mit Wolldecken, Essen und Getränken im Zug versorgt.

Nachrichten
Schneechaos im Norden

Heftiger Wind sorgte besonders im Norden Deutschlands für Schneeverwehungen. Auf der A7 kam es zu mehreren Unfällen. zum Video

Gegen Mittag normalisierte sich die Lage wieder - "schrittweise», wie die Deutsche Bahn einschränkend mitteilt. Sämtliche verfügbaren Kräfte seien im Einsatz, um den Zugverkehr rollen zu lassen. "Vor allem die Kombination aus starkem Schneefall, Dauerfrost und starkem Wind hat zur Folge, dass viele Nah- und Fernverkehrsstrecken selbst nach der erfolgten Räumung schnell wieder unpassierbar werden", betonen die Verantwortlichen.

Chaos auf den Straßen

Im Norden Deutschlands und im Osten liegt der Schnee um die 15 Zentimeter hoch. Teilweise war der Verkehr auf der A7 bei Flensburg gelähmt. Der Winterdienst kam den Schneemassen einfach nicht hinterher. Zudem fegten wieder heftige Böen an der Ostseeküste entlang.

Am Mittwochabend starb ein Lkw-Fahrer beim Zusammenprall mit einem Zug auf einem Bahnübergang in Ostholstein. Der Lokführer wurde leicht verletzt. Auch in Bayern kam es aufgrund schneebedeckter Straßen zu einem ähnlichen Unfall.

Ein Lastwagen wurde ebenfalls auf einem Bahnübergang bei Nürnberg erfasst, weil das Fahrzeug steckenblieb. Der Fahrer starb. Im Zug wurden vier Passagiere verletzt - die Strecke von Bayreuth nach Nürnberg war deshalb bis in die Morgenstunden gesperrt. Außerdem starb eine 30-jährige Frau, nachdem sie sich mit ihrem Auto bei Aschaffenburg auf glatter Straße überschlagen hatte.

Höchste Unwetter-Alarmstufe in Sachsen

Auch in Sachsen führten die Schneeverwehungen auf den Autobahnen und Bundesstraßen zu Problemen. Laut der Meteomedia Unwetterzentrale war in der Sächsischen Schweiz deshalb die Alarmstufe violett angesagt - die höchste Stufe überhaupt. Teilweise fielen dort 30 Zentimeter Neuschnee, starke Winde sorgten für Schneeverwehungen. Dort blieben in der Nacht zum Donnerstag mehrere Lastwagen und Autos stecken.

In Sachsen-Anhalt meldete die Polizei große Störungen auf den Straßen. Auf der A2 führten Schnee und Wind zu stockendem Verkehr und Staus. In Thüringen waren durch die Schneefälle die A4 und A9 betroffen.

Auf dem Flughafen München führten die Schneewinde wieder zu Flugausfällen. "Es sind bereits einige Annullierungen gemeldet", sagte eine Sprecherin der Flugauskunftszentrale am frühen Donnerstagmorgen.

Dagegen entspannte sich die Situation am Frankfurter Flughafen. Ein zuständiger Mitarbeiter sagte, alle Start- und Landebahnen seien frei. "Das bisschen Schneefall ist unproblematisch." Es gebe derzeit keine Einschränkungen im Flughafenbetrieb.

18 Kältetote in Polen

Die Zahl der Kältetoten in Zentraleuropa stieg unterdessen auf 26. In Polen seien bisher 18 Menschen gestorben, in Tschechien und Litauen jeweils vier, teilten die jeweiligen Landesbehörden. Viele der Opfer hätten unter Alkoholeinfluss gestanden. Bei den polnischen Toten handele es sich größtenteils um obdachlose Männer. Die Polizei rief die Bevölkerung dazu auf, wachsam zu sein.

In manchen Regionen Polens herrschten am Donnerstag Temperaturen von minus 17 Grad Celsius, nachdem sie am Dienstag einen Tiefstand von minus 33 Grad Celsius erreicht hatten.

Sturmflut an der Ostseeküste

Wegen des starken Windes warnt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie heute wieder vor Sturmfluten an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins mit Wasserständen von 1,20 Meter über dem Normalstand. Im Süden und Südosten gibt es hingegen nur noch örtlich etwas Schnee.

Ab Freitag weniger Schnee

Der Freitag startet vor allem im Süden, in der Mitte und im Osten verbreitet mit strengem Frost. Dazu fällt nur örtlich noch etwas Schnee. Größere Neuschneemengen sind nur im Nordseeumfeld sowie in Schleswig-Holstein zu erwarten. An der Nordsee sind bei auflandigem Wind tagsüber leichte Plusgrade zu erwarten, ansonsten bleibt der Dauerfrost mit Temperaturen bis zu minus zehn Grad landesweit erhalten.

Kälteste Orte in Deutschland

Vor allem im östlichen und südlichen Deutschland herrschte in der vergangenen Nacht eisige Kälte. In den Mittelgebirgen sanken die Temperaturen auf örtlich unter minus 17 Grad. Besonders kalt war es in den höheren Lagen von Sachsen und Thüringen. In der folgenden Tabelle sehen Sie die vorerst kältesten Orte aus der Nacht zum Donnerstag:

Fichtelberg (Sachsen)

-18,8°

Brocken (Sachsen-Anhalt)

-17,2°

Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen)

-17,1°

Masserberg (Thüringen)

-16,7°

Oberwiesenthal (Sachsen)

-16,7°

Wasserkuppe (Hessen)

-16,6°

Carlsfeld (Sachsen)

-16,5°

Altenberg/Erzgebirge (Sachsen)

-16,5°

Zugspitze (Bayern)

-16,3°

Schmücke (Thüringen)

-16,2°

Chemnitz (Sachsen)

-16,2°

Neuhaus am Rennweg (Thüringen)

-15,8°

Deutschneudorf-Brüderwiese (Sachsen)

-15,7°

Marienberg (Sachsen)

-15,7°

Großer Kornberg (Bayern)

-15,5°

Tegkwitz (Thüringen)

-15,5°

Reichenbach/Vogtland (Sachsen)

-15,3°

Hochwald (Sachsen)

-15,3°

Ehrenfriedersdorf (Sachsen)

-15,3°

Kaltennordheim (Thüringen)

-15,2°

Schleiz (Thüringen)

-15,0°

Quellen: wetter.info, rf, dpa, afp


 

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